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24. Mai 2016
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Tête À Tête

In meinem Whiskey-Glas liegen zwei dunkle Specksteine und kühlen das sauteure Getränk ohne es zu verwässern. Der Drink kostet mehr als ein Zwei-Gänge-Menü im Tantris und obwohl meine Kenntnisse in der Whiskey-Verkostung noch nicht bestätigen können, ob das gerechtfertigt ist, genieße ich das Gefühl, wie der scharfe Brand meine Kehle hinabrinnt. Während ich mich an das Geländer lehne und den Blick über das nächtliche München schweifen lasse, schlingen sich plötzlich zwei schlanke Arme von hinten um meine Hüfte.
16. Mai 2016
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ROCK ME MONTE LAGO

Alles begann mit ROCK ME MONTE LAGO, einem jener Cocktails die nur erfunden werden, damit wir Männer uns gegenseitig etwas beweisen können. Ich erinnere mich noch vage, dass in der Karte etwas von 6 verschiedene Rumsorten, dazu Gin, Vodka und Brandy die Rede war. Und Schweppes Wild Berries, das sie hier am Tegernsee zu gefühlt jedem Cocktail reichen. Wegen mir hätten wir dann die Start-Lokalität auch nicht mehr verlassen müssen, denn ein bisschen hatte ich mich da schon in die bildhübsche, schwarzhaarige Kellnerin mit den spannenden dunklen Augen und dem Drachentattoo verguckt. Die behauptet hat, ZWEI jener legendären Cocktails trinken zu können ohne dass ihr das was anhaben könne. Ich war beeindruckt, denn meine Wahrnehmung hat sich bereits nach einem halben Glas empfindlich getrübt und die rosaroten Elefanten haben sich da schon mal vorsorglich in ihre Tütüs gezwängt.
30. April 2016
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Bahija

Der feuchte Smog verstärkt die bleichen Sonnenstrahlen mit der geballten Kraft Myriaden winzig kleiner Lupen. Ich schwitze, als ich durch die engen und überfüllten Gassen der namenlosen Stadt am Rande der Welt laufe. Fremde Gerüche kitzeln meine Nase, verführerische wie abstoßende, verheißungsvolle und verdorbene. Farbenfroh gekleidete Händler hocken wie dicke Spinnen in ihren kleinen Läden und warten auf unachtsame Kunden. Der Lärm eines Ortes, an dem sich viel zu viele Lebewesen gleichzeitig aufhalten, dröhnt in meinen Ohren und meine Sinne verwirren sich in einem kollektiven Aufseufzer zu einem unauflösbarem Knäul. Verwirrt blicke ich mich um. Wenn die alte Besitzerin des kleinen Hostels am Stadtrand, in das ich mich für ein paar Tage eingemietet habe, richtig liegt, müsste ich eigentlich kurz vor meinem Ziel sein. Mir ist, als hörte ich schon die leise Musik durch das Raunen der Stadt. Das Pochen eines fernen Basses, einem Herzschlag gleich. Jemand hat unzählige bunte Stofffetzen an zwischen den Häuserschluchten gespannten Schnüren aufgehängt. Wie ein zerhackter Regenbogen baumeln sie träge in der schwülen Luft.
1. Dezember 2015
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Früher war mehr Lametta

Wie bewertet man ein Jahr, das mit dem Ende einer Beziehung begonnen hat? Silvester naht und ich frage mich immer wieder, was ich nun von diesem 2015 halten soll. Überschattet die Trennung von einem geliebten Menschen all die schönen Erlebnisse der vergangenen zehn Monate? Oder wäre eventuell sogar Dank angebracht?
9. November 2015
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Novemberblues

Schlacksige Sehne zwischen Spätsommergefühlen und Winterblues. Ein Kackmonat. Ein Kackmonat, der sich bislang nicht einmal die Mühe macht, seinem schlechten Ruf gerecht zu werden. Sondern trotzig einen schönen Sonnentag nach dem anderen raushaut, als hätte es dieses Jahr davon nicht ohnehin schon viel zu viele gegeben. Und fast ist man ja geneigt, dass man gar nicht mehr zetern kann, über das räudige Dreckswetter hier, und dass man am liebsten in den Süden fliehen möchte. Wenn man genau hinsieht, und die Tage hochzählt, ist die Ziellinie in Sicht und ich ertappe mich dabei, wie ich die Frage nach einem Fazit für dieses Jahr wie ein exotisches Bonbon testend im Mund hin und her schiebe. Schmeckt es süß? Oder kommt der Chilligeschmack durch? Etwas Schokoladenaroma ist auch drin und irgendein hinterpfotziger Pfeffer, und der Speichel sammelt sich unter der Zunge und fast vergesse ich zu schlucken. Eiserner Contenance sei Dank beherrsche ich mich aber und spucke das Ding nicht quer durch den Raum. Sondern konzentriere mich.
10. September 2015
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Ein Sommernachtstraum

Die Sonne hatte die Luft so sehr aufgeheizt, dass die Wärme eine physische Qualität gewann. Sie entwickelte eine Präsenz, schärfte ihr Profil und wuchs über sich selbst hinaus, gleich einem dringenden Wunsch, der kurz vor seiner Erfüllung noch einmal all seine Kraft in eine übermächtige, sehnsüchtige Leidenschaft steckte.
7. September 2015
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Dirndl Kiffer

Lorenz Hölzl sog das Aroma der verbrannten Marihuana-Pflanzen mit einem tiefen Atemzug ein. Die traurigen Überreste der zerstörten Stauden ragten wie Knochen einer Brandleiche aus dem Boden und boten einen mitleiderregenden Anblick. Ihr Besitzer, Josef Feicht, der von allen hier in Feilnbach nur da Feichtl gerufen wurde, stand betrübt am Rande des Feldes bei einer Gruppe von Feuerwehrleuten und hatte eine Miene aufgesetzt, als wäre gerade die Welt untergegangen und nicht nur eine hektargroße Hanfplantage verkokelt. Immerhin seine zweite innerhalb einer Woche. Und bei einer Gesamtzahl von zwei Feldern hatte es sich nun ausgehanft für den Feichtl. Und damit war nun auch Lorenz offiziell in den Fall involviert. Kein Mord dieses Mal, sondern ein ganz ordinärer Feuerteufel. Der Bad Feilnbachs Bauern in Angst und Schrecken versetzte. So würde es morgen zumindest mit einiger Sicherheit in den lokalen Klatschblättern stehen, denen der kleine Kurort am Fuße des Wendelsteins seit ein paar Wochen wieder zuverlässig und stetig neues Material lieferte.
9. Juli 2015
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Indigene Balzversuche

Vor ein paar Tagen, an einem besonders heißen Julinachmittag, habe ich mich zum Schreiben ins Jenbachtal zurückgezogen und mir an einem Wasserfall ein schönes Refugium eingerichtet. Es dauerte nicht lange und am anderen Ufer tauchten auf dem Wanderweg zwei Frauen auf. Genau konnte es von meiner Warte aus nicht beurteilen, aber mindestens eine der beiden schien jung und braungebrannt, sportlich und nur mit Hotpants und einem dünnen Leibchen bekleidet zu sein. Und ich habe sie schon gehört bevor ich sie überhaupt hatte sehen können, denn sie trug eine Gitarre, auf der sie beim dahinwandern spielte.
28. Mai 2015
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Spirituell mit Hamster.

Ich lebe in einer Beziehung. Mit Leia. Leia hat schöne, rote Haare, ein paar Gramm zu viel auf den Rippen und immer kalte Füße. Sie verschläft den ganzen Tag, ich muss also kein schlechtes Gewissen haben wenn ich tagsüber arbeite und sie alleine lasse. Abends wacht sie auf, reckt und streckt sich erst einmal genüsslich und gähnt herzhaft. Und dann möchte sie Aufmerksamkeit. Sie ist so planbar, wie ein Hamster eben sein kann. Stellt keine Ansprüche, so lange immer genug zu fressen da ist und sie ihre Streicheleinheiten bekommt. Ich wusste bis dato nicht, dass Hamster auch kuscheln, Leia fordert das nachdrücklich ein, indem sie demonstrativ am Fenster ihres Terrariums hockt und mich mit ihren großen Knopfaugen anstiert. Ich kann mich unmöglich konzentrieren wenn sie das tut. Ich nehme sie dann heraus und wir schmusen. Ich wünschte, alle Frauen wären so einfach wie Leia. Und mit einfach meine ich in diesem Kontext einen Zustand der Klarheit: ich weiß genau was ich will. Und was mir zusteht.
11. März 2014
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Die Legende von Fazilaq

Dies sind die Abenteuer des Citafen Fazilaq, einem bayrischem Krieger, der lieber ein Bauer sein möchte und auf dem Weg zu seiner Bestimmung spannende Abenteuer in einer bayrischen Sagenwelt erlebt.
11. März 2014
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Pocahontas mit Sport-BH

Unlängst war ich, völlig untypisch für mich, um halb neun Sonntag morgens nach einer halbdurchzechten Nacht im Studio. Verstörend, wie es da um diese Zeit, an einem Feiertag, schon zugeht. Wo ich mich noch müde und zerknautscht, nach Ausdünstungen der Nacht und zigarettenrauch-müffelnd in die Umkleide schleppe und mich in mein Sportzeuchs quäle, fliegen die Fitness-Junkies ein wie Bienen in ihren Stock und besteigen elanvoll das Übungsgerät. Ich entscheide mich für eins der Fahrräder von dem aus ich auf einem TV-Gerät kleinen Pinguinen dabei zuschauen kann, wie sie von albatross-ähnlichen Geiern gefressen werden und beginne, müde zu strampeln. Von meinem Platz habe ich direkte Einsicht auf eine Klimmzug-Station, an der sich aufgepumpte Muskelshirt-Träger stöhnend und mit anschließend bemüht lässigem Blick ihre bereits viel zu dicken Oberarme weiter aufblasen.
29. Februar 2012
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Beelzebock und der Liebeslindwurm

Der Beelzebock und der Liebeslindwurm sitzen bei einem Weißbier zusammen. Der Liebeslindwurm trägt ein geschmackloses grünes, lilagepunktetes Kleid mit Puffärmeln, der Beelzebock ist oberkörperfrei und seine Wampe hängt heraus. Sie sprechen in Mundart.

Tradition ist eine Laterne.
Der Dumme hält sich an ihr fest,
dem Klugenleuchtet sie den Weg.

-George Bernard Shaw
5. April 2016
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Marokko

Der Orient. Seit ich damals, zu einer Zeit, als es noch Video- und Audiokassetten gab und man mit Wählscheiben telefonierte, Disneys Aladdin im Kino gesehen und mich unsterblich in Prinzessin Jasmin verliebt habe, hege ich eine Schwäche für die 1001 Nächte.
1. Mai 2015
vietnam

Vietnam

Vietnam. Eine fixe Idee, in meiner Vorstellung das wildere Thailand. Mit Dschungeln, Flußdeltas, Reisfeldern, kanufahrenden Einheimischen mit konischen Strohhüten auf dem Kopf und Tempel voller Spiritualität und Wunder. Die Realität lacht über derartige Naivität und wenn ich doch eins auf meinen bisherigen Reisen durch Asien gelernt haben sollte: nichts ist dort so wie ich es mir erwartet habe. Nur anders. Same same but different. Weil ich in meinem Leben irgendwie immer wieder an einem Punkt angelange, von dem ich mir jedes Mal feierlich schwöre, dass ich dorthin nie wieder hin will, habe ich dieses mal immerhin den Mut und die nötige Konsequenz aufgebracht, um mich kurzzeitig aus dem Spiel zu nehmen. Das heißt in diesem Fall: 18 Tage Vietnam, ultraspontan, 5 Tage vor Abreise den Flug gebucht. Zusammen mit Fabrizio, dessen Seele die selben verschlungen Pfade wie die meine bewandert.
14. September 2013
bali

Bali

Wenn man sich Bali auf einer Landkarte ansieht, könnte man leicht dem Eindruck erliegen, das hier ja nun soviel nicht geboten sein kann. Theoretisch könnte man jeden Flecken dort binnen zwei Stunden Autofahrt erreichen. Praktisch braucht es das doppelte an Zeit, geschuldet ist das dem balinesischem Verkehr. Wo immer sich hier Menschen ansiedeln produzieren sie Staus. Oftmals wären wir zu Fuß sicherlich schneller gewesen als mit dem Auto. Ich bin viel mit dem Roller unterwegs gewesen und ich hatte ausreichend Zeit, Beobachtungen über den Verkehr aufzustellen. Zusammenfassen lassen sich diese in etwa so: es gibt keine richtigen Regeln.
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