parallax background
 
30. November 2016
indien-s

Erleuchtet

Aus den Boxen dröhnt das rhythmische Mantra eines Indianer-Gesanges. Es ist brütend heiß im ersten Stock des Yoga Barns in Ubud, obwohl der Raum zu allen Seiten hin offen ist. Doch weder die kühle Brise noch die am Limit kreiselnden Ventilatoren vermögen die Hitze, die von der heißen Sonne über Bali und den etwa 100 Tänzern ausgeht, zu lindern. Ich habe kurz gezögert, als der raunende Sprechgesang eingesetzt hat, doch mein Körper hat schnell einen Rhythmus ausgemacht, in dem ich mich nun grinsend wiege. Immer mehr Leute um mich herum tun es mir gleich, manche stehen nur auf der Stelle und wippen mit dem Kopf, andere hüpfen bereits ekstatisch auf und ab. Es sind vorwiegend Frauen, jeden Alters, die meisten davon jung. Und gutaussehend. Sie tragen knappe Klamotten im Goa-Style, haben Tattoos, Dreadlocks und klirrenden Schmuck an Armen und Fußknöcheln. Eine wunderschöne Inderin, wie frisch aus einem Bollywoodfilm entschlüpft, taucht plötzlich vor mir auf. In Hotpants und durchgeschwitztem, weißen Top, durch das sich ihre Brüste abzeichnen. Sie tanzt wie in Ekstase. Ich fühle mich an die legendäre Tanzszene in Zion aus Matrix Reloaded erinnert. Das Mantra geht allmählich in einen satten Beat über und ich kann mich nicht mehr halten, ich muss auch springen, tanzen, es reisst mich mit, um mich herum schwitzende, halbnackte Leiber, manche davon eng ineinander verschlungen, alle mit einem Lachen oder Grinsen im Gesicht. Ich wünsche mir, dass dieser Moment niemals endet.
15. November 2016
ubuds

A Tribute to Ubud

A lot of travelers who come to the city where Elizabeth Gilbert found everlasting happiness just plan to stay a couple of days. But for some miraculous reason, most of them get stuck here and days become weeks and weeks become month. Same with me. I stayed longer in Ubud than in any other place of my journey so far. Because I had an indifferent but strong feeling, that at least my heart belongs here. The mind is sometimes bothered by all the crazy people, the hippies, the sense-seekers the yogis and the vegans who are gathering here like amorous bees around a rutting rose bush. The soul instead seems to feel a strong connection to places like this as if it would sent the chance of finally finding a habitat where it can fully express and develop itself. While I am writing this, I am sitting in a tiny, lovely warung in a small side street. It’s one of the local managed restaurants where you still get your Nasi Goreng for a reasonable price and without this annoying service and government tax which the tourist places on the main road charge, a vice, that slowly seems to spread all over Bali. Some elder, western ladies are passing by, all of them with a relaxed, blissful expression on their face. They definitely found their happy place here in Ubud. Eat, pray, love, die. You can actually meet a lot of old people here.
25. Oktober 2016
balititle-s

The Road to Bali

Ich sitze auf der kleinen Terrasse meiner AirBnB-Unterkunft mitten in Ubud und höre dem Regen zu, wie er auf das Plastikdach über der Veranda prasselt. Die Regenzeit hält unaufhaltsam Einzug auf der Insel der Götter. Passt zu meiner augenblicklichen Stimmung. Trotzdem habe ich gerade mein Visum um einen weiteren Monat verlängert. Meinem ursprünglicher Plan, den November in Thailand zu verbringen, hat König Bumibol einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nach dessen Ableben versinkt das Land in Trauer und Chaos und darauf habe ich grade überhaupt keine Lust. Ausserdem verspüre ich eine gewissen Reisemüdigkeit. Und das erste Mal seit drei Monaten habe ich Heimweh, denn seit heute bin ich wieder allein. Die letzten drei Wochen hat mich Christoph begleitet, wir haben uns auf Lombok getroffen und sind dann nach Bali weitergereist. Nach zwei Monaten Alleinreisens war seine vertraute Gesellschaft und Freundschaft eine willkommene Abwechslung. Und ich war wirklich froh, nicht alleine „zurück“ nach Bali zu müssen. Zu viele Erinnerungen an eine verlorene Liebe waren mit diesem Ort verbunden. Und trotzdem musste ich herausfinden, ob meine Faszination für die Insel verklärter Nostalgie geschuldet war, oder ob es Bali selbst ist, das mich vor zwei Jahren, bei meinem ersten Besuch, so sehr gefesselt hat.
14. Oktober 2016
bohol-s

Der Abschied von der Ferkelhölle

Kinder, wie die Zeit verfliegt. Irgendwas muss ich da wohl durcheinandergebracht haben, denn ich dachte immer, wenn man kleinkindmäßig neue Eindrücke sammelt, dauern die Tage wieder ewig. Das Gegenteil scheint der Fall, die Wochen rasen dahin als flöhen sie, beispielsweise vor der leidigen Realität, dem Winter, dem Blues oder den balinesischen Moskitos. Fast 11 Wochen bin ich nun unterwegs und es fühlt sich immer noch an, als hätte ich gestern erst meinen Rucksack gepackt. Mittlerweile habe ich wieder das Archipel gewechselt, bin zurück auf Bali und das ist gut, das mulmige Gefühl in der Magengegend hat sich als unbegründet erwiesen.
20. September 2016
siquijor-s

Sin Cebu City, Rendevouz mit einem Walhai und die Insel der Geister.

Der Fahrer des Motorradtaxis grinste anzüglich als ich ihm mein Ziel nannte und fragte mich während der fünfzehnminütigen Fahrt mehrmals: „Wanna haf a filipin görl?“ und schnalzte mit der Zunge. Als er mich schließlich am Mango Square absetzte, stürzte sich sofort eine Rotte Filipinos auf mich, die mir „Sör, wann haf a filipin görl?“, oder „Sör! Wonna go tu Bikinibar?“ und „Sör, wonna bai samsing tu smook?“ zuriefen. Einer von ihnen erwies sich als besonders hartnäckig, stellte sich mir als Dennis vor, hatte ein herzliches Grinsen von einem Ohr zum anderen im Gesicht und mit seinem schiefen Baseball-Käppi reichte er mir vielleicht allenfalls zur Schulter.
9. September 2016
pacifico0-s

Philippinen – Regenwolken im Paradies

Wir müssen uns mal über die Schattenseiten des Alleinreisens unterhalten. Ich habe in den letzten Wochen viele Komplimente für meine Reiseberichte und vor allem für die Bilder erhalten. Sie erwecken den Eindruck, dass ich mich von einem Paradies zum nächsten hangeln würde. Und in gewisser Weise stimmt das ja auch. Die Zeilen zum Beispiel tippe ich auf der Terrasse meiner Bambus-Hütte auf Siargao im Süden der Philippinen. Das kleine Ressort namens Bamboo Garden direkt am Strand wird von der Südafrikanerin Sonja und dem Australier Adam betrieben. Beide tiefenentspannt und bis hinter die Ohrläppchen tätowiert. Mit mir hängen hier vier ältere, ebenfalls superentspannte Australier, ein paar nervig-verliebte Pärchen, sowie je zwei Katzen- und Hundebabies, ein junger Seeadler und zwei alte Schildkröten herum.
31. August 2016
rockhill-s

Sri Lanka – Inside Buddhism

Das International Meditation and Dhamma Study Centre Rockhill Hermitage in Wiegirikanda hatte nichts mit dem gemein, was ich mir unter einem Kloster vorgestellt hatte. Keine Steinbänke und -betten, keine schweigsamen, betenden Mönche, keine Trocken- oder Kargheit. Vielmehr schlummerte das Rockhill auf einem Hügel mitten im Urwald und der Dschungel war ziemlich erfolgreich darin, sich Stück für Stück all das zurückzuholen, was die Menschen ihm mühevoll abgerungen hatten. Auf Seiten des Klosters: ein zahnloser und sehr arbeitsscheuer Hausmeister, der sich auf seine alten Tage kein Bein mehr ausreissen wollte. Auf Seiten des Dschungels: Wucherndes Unkraut, Feuchtigkeit, Hitze, unzählige Insekten wie Ameisen, Spinnen und Mücken, Würmer, Raupen, Blutegel, handtellergroße Schmetterlinge, Vögel, Affen, Hörnchen, Wildschweine und Marder. Und unendlich viel Zeit und Geduld. Ein schöner, wildwuchender Garten bildete das Herz zwischen den Gebäuden, von den sich manchen an riesige, schwarze Findlinge schmiegten, die Adern des Gartens bestanden aus vielen kleinen Treppchen und Trampelpfaden, einer davon bis zum Gipfel des Hügels mit famoser Aussicht ins Umland. Meine Zelle war ein Biotop und beherbergte neben den obligatorischen Geckos ein ganzes Ameisenvolk und vierzehn Spinnen. Vor meiner Tür nisteten seltsame Minibienen und auf meinem Klo wohnte ein weiteres Ameisenvolk und ein aufdringlicher Frosch.
19. August 2016
ella-s

Sri Lanka – Der kleine Adam und die Erkenntnis warum ich reise.

Was ist Reisen? Wann gilt ein Land als bereist, so dass man weiterziehen kann weil man alles gesehen hat? Ich hatte mir über diese Frage ziemlich lang den Kopf zerbrochen. Auf all meinen bisherigen Reisen hatte ich nur begrenzte Zeit, meist maximal drei Wochen. So lange, wie ich jetzt hier auf Sri Lanka war. Ich habe kaum etwas von den typischen Touristenzielen der Insel gesehen. Ich war nicht in Colombo, bin nicht auf den Adams Peak geklettert und werde mir die ganzen Sehenswürdigkeiten im berühmten Kandy nicht ansehen. Nein, auch nicht den Zahntempel. Weil mich Buddhas Zahn, der da angeblich drin liegt, etwa so viel interessierte wie das Paarungsverhalten der singhalesischen Fruchtfliege.
14. August 2016
titel-ahangama-s

Sri Lanka – Das Brett und der Bayer

Es war, als ob das Meer auf mich gewartet hätte. Darauf, dass ich mich endlich auf ein Brett stellte und mich damit in die Fluten stürzte. Jede Welle ein neuer Lehrer, jeder Tag eine neue Herausforderung. Ich hätte an dieser Stelle gerne damit geprahlt, wie elegant und seehundgleich ich gleich von Beginn an jede Welle erwischt und den perfekten Surf hingelegt habe, und nicht nur mich selbst auf die Nase. Aber das Meer hatte mir meine Grenzen gleich von Beginn an gnadenlos aufgezeigt. Dabei war es weniger der körperliche Aspekt, das Erschöpfende, das Auslaugende dieses Sports, das mit recht schnell vor Augen geführt hatte, dass Mountenbiken und das bisschen Fitnessstudio einen nicht im geringsten auf den ersten Surf vorbereiten konnten. Vielmehr stellte mich die psychische Komponente des Surfens vor eine Herausforderung.
7. August 2016
tangalle-s

Sri Lanka – Auf der Suche nach Erleuchtung

Während ich diese Zeilen schreibe sitze ich auf der Teakholz-Terrasse meiner Cabana am Strand von Tangalle in Sri Lanka und trinke frisch gemixten Fruchtsaft. Die Brandung des Meeres rauscht mir in den Ohren und der Wind treibt den Geruch von Gras in meine Nase, das ein paar Locals ein paar Meter weiter im Schatten einer Palme rauchen. Vielleicht gehe ich später noch rüber, aber im Moment bin ich auch ohne rundum zufrieden.
3. August 2016
srilankateaser2

Sri Lanka – Alles auf Anfang.

Während ich diese Zeilen schreibe sitze ich auf der Teakholz-Terrasse meiner Cabana am Strand von Tangalle in Sri Lanka und trinke frisch gemixten Fruchtsaft. Die Brandung des Meeres rauscht mir in den Ohren und der Wind treibt den Geruch von Gras in meine Nase, das ein paar Locals ein paar Meter weiter im Schatten einer Palme rauchen. Vielleicht gehe ich später noch rüber, aber im Moment bin ich auch ohne rundum zufrieden.
24. Mai 2016
IMG_7981-s

Tête À Tête

In meinem Whiskey-Glas liegen zwei dunkle Specksteine und kühlen das sauteure Getränk ohne es zu verwässern. Der Drink kostet mehr als ein Zwei-Gänge-Menü im Tantris und obwohl meine Kenntnisse in der Whiskey-Verkostung noch nicht bestätigen können, ob das gerechtfertigt ist, genieße ich das Gefühl, wie der scharfe Brand meine Kehle hinabrinnt. Während ich mich an das Geländer lehne und den Blick über das nächtliche München schweifen lasse, schlingen sich plötzlich zwei schlanke Arme von hinten um meine Hüfte.

Tradition ist eine Laterne.
Der Dumme hält sich an ihr fest,
dem Klugenleuchtet sie den Weg.

-George Bernard Shaw
15. November 2016
ubuds

A Tribute to Ubud

A lot of travelers who come to the city where Elizabeth Gilbert found everlasting happiness just plan to stay a couple of days. But for some miraculous reason, most of them get stuck here and days become weeks and weeks become month. Same with me. I stayed longer in Ubud than in any other place of my journey so far. Because I had an indifferent but strong feeling, that at least my heart belongs here. The mind is sometimes bothered by all the crazy people, the hippies, the sense-seekers the yogis and the vegans who are gathering here like amorous bees around a rutting rose bush. The soul instead seems to feel a strong connection to places like this as if it would sent the chance of finally finding a habitat where it can fully express and develop itself. While I am writing this, I am sitting in a tiny, lovely warung in a small side street. It’s one of the local managed restaurants where you still get your Nasi Goreng for a reasonable price and without this annoying service and government tax which the tourist places on the main road charge, a vice, that slowly seems to spread all over Bali. Some elder, western ladies are passing by, all of them with a relaxed, blissful expression on their face. They definitely found their happy place here in Ubud. Eat, pray, love, die. You can actually meet a lot of old people here.
25. Oktober 2016
balititle-s

The Road to Bali

Ich sitze auf der kleinen Terrasse meiner AirBnB-Unterkunft mitten in Ubud und höre dem Regen zu, wie er auf das Plastikdach über der Veranda prasselt. Die Regenzeit hält unaufhaltsam Einzug auf der Insel der Götter. Passt zu meiner augenblicklichen Stimmung. Trotzdem habe ich gerade mein Visum um einen weiteren Monat verlängert. Meinem ursprünglicher Plan, den November in Thailand zu verbringen, hat König Bumibol einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nach dessen Ableben versinkt das Land in Trauer und Chaos und darauf habe ich grade überhaupt keine Lust. Ausserdem verspüre ich eine gewissen Reisemüdigkeit. Und das erste Mal seit drei Monaten habe ich Heimweh, denn seit heute bin ich wieder allein. Die letzten drei Wochen hat mich Christoph begleitet, wir haben uns auf Lombok getroffen und sind dann nach Bali weitergereist. Nach zwei Monaten Alleinreisens war seine vertraute Gesellschaft und Freundschaft eine willkommene Abwechslung. Und ich war wirklich froh, nicht alleine „zurück“ nach Bali zu müssen. Zu viele Erinnerungen an eine verlorene Liebe waren mit diesem Ort verbunden. Und trotzdem musste ich herausfinden, ob meine Faszination für die Insel verklärter Nostalgie geschuldet war, oder ob es Bali selbst ist, das mich vor zwei Jahren, bei meinem ersten Besuch, so sehr gefesselt hat.
14. Oktober 2016
bohol-s

Der Abschied von der Ferkelhölle

Kinder, wie die Zeit verfliegt. Irgendwas muss ich da wohl durcheinandergebracht haben, denn ich dachte immer, wenn man kleinkindmäßig neue Eindrücke sammelt, dauern die Tage wieder ewig. Das Gegenteil scheint der Fall, die Wochen rasen dahin als flöhen sie, beispielsweise vor der leidigen Realität, dem Winter, dem Blues oder den balinesischen Moskitos. Fast 11 Wochen bin ich nun unterwegs und es fühlt sich immer noch an, als hätte ich gestern erst meinen Rucksack gepackt. Mittlerweile habe ich wieder das Archipel gewechselt, bin zurück auf Bali und das ist gut, das mulmige Gefühl in der Magengegend hat sich als unbegründet erwiesen.
//]]>