Liebe Liebe

31. 12. 2018 | Die Welt, einfach erklärt, Philosophie | 0 Kommentare

„Wir sollten hingegen viel mehr tanzen. Unter Sternen. Wein trinken. Fremde küssen. Miteinander schmusen.“

Das habe ich geschrieben, am Ende jenes schicksalhaften Jahres 2015.
Um mir selbst in den Arsch zu treten.
Und die Götter können bezeugen, dass ich mich daran gehalten habe.
Mit beiden Daumen und jener Wut, die nur ein zerbrochenes Herz zu entfesseln vermag, habe ich damals den Reset-Knopf gedrückt.
Bin in die Welt hinausgezogen, habe alles hinter mir gelassen, mich verloren und gefunden, ich bin gestolpert, gescheitert und gewachsen.
Die Geschichten reichen für ein ganzes Buch und während ich über dessen letzten Kapiteln grüble, schickt mir das vergangene Jahr genug Stoff für zwei oder drei neue.

„Die Liebe findest du nicht bei einer anderen Frau, sondern in dir selbst.“

schrieb mir gestern eine Stefanie auf Instagram und spielt damit auf das Fazit meines melancholischen Ergusses von vor drei Jahren an, den ImGegenteil.de jetzt scheinbar jährlich zum Jahreswechsel wieder aufwärmt. Mag sein, dass Stefanie recht hat, eine Menge bekannter Gurus und Coaches unserer Zeit predigen dasselbe, und ich muss es wissen, denn ich habe in den letzten Jahren so ziemlich jeden getroffen, gelesen oder angebetet, der in der Branche Rang und Namen hat. Immer auf der Suche, stets auf der Jagd nach der einen, der allumfassenden Wahrheit und dem Schlüssel für all das Drama, das mein Umfeld und mich so beharrlich heimsucht und plagt.

Und trotzdem (oder vielleicht gerade deshalb) passe ich die Aussage ein wenig an: Die Liebe findet man vielleicht nicht BEI einer Frau, aber auf jeden Fall DURCH eine Frau (die Frauen dürfen hier natürlich das andere Geschlecht einfügen). Und zwar wenn es einem gelingt, den Schwung, den man in der Phase der Verliebtheit erhält, zu nutzen, um sich einer Sache klar zu werden: Der wahre Grund, warum zwei Liebende zueinander finden ist, aneinander zu wachsen.

Natürlich kann ich mich hinsetzen und meditieren, mich in Selbstliebe üben und meinen Selbstwert steigern, indem ich Erfolgstagebücher führe, meine Selbstsabotage abstelle und mir bewusstwerde, dass allein ich der Herr in meinem Haus bin. Was im Mindesten bedeutet, dass ich immer wenigstens die Entscheidung habe, wie ich auf das, was mir das Universum serviert, reagiere.
Aber dazu gibt es eine Abkürzung.
Und die heißt Beziehung.
Wer alleine an seiner Erleuchtung arbeitet, bekommt es mit einem mächtigen Gegenspieler zu tun: dem innerem Schweinehund, dem Ego oder welchen Namen auch immer wir jenem Teil von uns geben, den wir (und nur wir allein) darauf programmiert haben, uns vor Schmerzen zu bewahren. Denn das bewirkt Wachstum: Es verursacht Reibung, die sich manchmal auch schmerzhaft oder beängstigend anfühlen kann. Sind wir allein, vermeiden wir den Schmerz gerne, suchen einen einfacheren Weg oder wählen gar die Vermeidung.
In einer Beziehung ist das hingegen nicht ganz so leicht. Sofern wir das Kunststück meistern, nicht bei der kleinsten Reiberei den Partner auszutauschen. Weil in unserer schnelllebigen, konsumgeilen Generation der nächste, potentielle Fang nur einen Tinderwisch weit entfernt wartet.
Wer Glück hat, erkennt noch in dieser Existenz, dass einem trotz wechselnden Partnern immer wieder dieselben Themen serviert werden und gelangt dann auch zu der Erkenntnis, dass eine Beziehung vielleicht mehr sein könnte als nur jemanden an seiner Seite zu wissen, aus dem man jene Liebe raussaugen kann, die man sich selbst nicht zu geben im Stande ist. Unsere Partner drücken unsere Knöpfe, in der Regel ohne es zu wollen, und zwingen uns dazu, uns mit unseren Paketen und Baustellen auseinander zu setzen. DAS ist die Abkürzung, von der ich vorher geschrieben habe und die Kunst ist es, das Geschenk darin zu erkennen und anzunehmen.
Das ist wahre Liebe.
Sich gegenseitig dabei zu helfen zu wachsen.
Und wenn das dazu führt, dass man irgendwann im hohen Alter gemeinsam händchenhaltend und erleuchtet unter einer Palme hockt und von einer Kokosnuss erschlagen wird, umso besser.

Ich wünsche für 2019 allen da draußen, dass sie diese Liebe finden (und annehmen können), so wie ich die meine in diesem vergangenen Jahr finden durfte. Dass da (wieder) etwas ist, eine Stelle zum Anlehnen, wenn es wieder einmal heftig stürmt. Jemand, der nie wieder fort geht.
Weil man sich nicht mehr an ihn klammern muss.
Und durch ihn bei sich selbst ankommt.

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