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Sri Lanka – Alles auf Anfang.

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Tête À Tête
24. Mai 2016
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Sri Lanka – Auf der Suche nach Erleuchtung
7. August 2016
 

“Jeder erzählt Dir, was Du tun sollst und was gut für Dich ist. Die wollen aber nicht, dass Du Deine eigenen Antworten findest. Die wollen, dass Du an ihre glaubst. Ich will, dass Du damit aufhörst, Deine Informationen von draußen zu holen und dass Du anfängst, sie Dir im Innen zu holen. Die Menschen haben Angst, in sich rein zu sehen. Das ist aber der einzige Ort, wo sie finden was sich brauchen.”
(von der weisen Kathrin und einem gewissen Socrates)

Während ich diese Zeilen schreibe sitze ich auf der Teakholz-Terrasse meiner Cabana am Strand von Tangalle in Sri Lanka und trinke frisch gemixten Fruchtsaft. Die Brandung des Meeres rauscht mir in den Ohren und der Wind treibt den Geruch von Gras in meine Nase, das ein paar Locals ein paar Meter weiter im Schatten einer Palme rauchen. Vielleicht gehe ich später noch rüber, aber im Moment bin ich auch ohne rundum zufrieden.

Wie ich hierher gekommen bin? Das ist eine lange Geschichte und sie beginnt wahrscheinlich schon viele Jahre zuvor in Thailand, als ich das erste mal einen Fuß aus asiatischen Boden gesetzt und mich sofort verliebt habe. Die Entschleunigung, die Mentalität der Einheimischen mit ihrer beneidenswerten Fähigkeit, allein im Augenblick zu leben und nicht zuletzt das Klima haben mich stets von längeren Asienaufenthalten ohne Zeitdruck träumen lassen. Doch manchmal ist der Verstand noch nicht so weit wie das Herz und er benötigt ein paar Umwege um ans Ziel zu gelangen. In meinem Fall haben mich diese Umwege zu einer Art verfrühten Midlife-Krise geführt, indem ich mich mit Anfang dreißig fragen durfte, ob das schon alles gewesen sein kann und das Leben nur aus ungeliebter Arbeit und unglücklichen Partnerschaften besteht. Nach meiner letzten gescheiterten Beziehung, ungesund vielen unerfüllten Affären und Liasons und einem Job, für den aufzustehen mir von Tag zu Tag schwerer fiel, hatten Schmerz und Sehnsucht schließlich den richtigen Grad an Intensität erreicht um den nötigen Schritt zu wagen und endlich auf mein Herz zu hören. Ich gab meine Versicherungsagentur auf, kündigte meine Wohnung und verkaufte mein Auto. Und es konnte endlich losgehen. Besser spät als nie.

YOLO

 

Mein erstes Reiseziel sollte ursprünglich Bali sein, denn dorthin zurückzukehren wollte ich schon lange und auf all meinen Reisen hat es mir dort bislang am besten gefallen. Ausserdem hatte ich auf der Insel der Götter noch etwas zu erledigen. Doch je näher das angepeilte Reisedatum, nämlich die Übergabe meiner Wohnung an meinen Nachmieter, rückte, desto teurer wurden die Flüge und mir dämmerte dann zwei Wochen vorher, dass ich mich verzockt und zu lange auf ein Schnäppchen spekuliert hatte. Ich hatte nun die Wahl, für eine unanständig hohe Summe in Kombination mit einer elendslangen Reisezeit nach Bali zu fliegen oder mir ein anderes Reiseziel auszusuchen. Passenderweise lief mir in dieser Entscheidungsphase auf einer Party Renate über den Weg und schwärmte mir von Sri Lanka vor. Interessanterweise war dies das dritte Mal innerhalb weniger Monate, dass mir dieses völlig unbekannte Land am Südzipfel von Indien empfohlen wurde und weil ich mir eh vorgenommen hatte, mehr auf Bauchgefühl und Intuition zu vertrauen, buchte ich am nächsten Morgen, eine Woche vor Abreise, einen Flug nach Sri Lanka, ehemaliges Ceylon, Träne im indischen Meer. Passt für den Start, hat das nötige Drama.

Zwar fliegen alle gängigen asiatischen und arabischen Fluggesellschaften Sri Lanka an, ich hatte jedoch keine Lust auf die übliche Zwischenlandung in Dubai oder Doha und entschied mich für SriLankan Airlines, die von Frankfurt aus Nonstop in zehn Stunden nach Colombo, der Hauptstadt Sri Lankas, fliegen. Den ersten Stein, über den ich in meiner naiv-chaotischen Art zu reisen stolperte, warf mir die genervt lächelnde Dame an der SriLankan Airlines-Gepäckabgabe ins Getriebe. Wann ich denn aus Sri Lanka auszureisen gedenke, wollte sie wissen. Ohne diese Info gäbs nämlich kein Ticket. Meine herunterklappende Kinnlade war nicht geschauspielert und mein gestammeltes Keine Ahnung, ich weiß weder wohin noch wann es weitergeht! führten lediglich dazu dass sie meinen Pass wieder zuklappte, mir gebot, meinen Rucksack wieder von der Waage zu nehmen und mir ein Ticket für einen Weiterflug zu suchen. Wie lange ich denn dafür Zeit habe, wollte ich wissen. Fünfzehn Minuten, lautete die Antwort. Dann schließe der Schalter. Verdammt seist Du, knapp kalkuliertes Reiseintervall! Verdammt meine Unbedarftheit, die mich bereits wertvolle Zeit hat vergeuden lassen, indem ich mich zweimal an einer falschen Schlange zur Gepäckabgabe angestellt habe! Also hetzte ich wie von der Tarantel gestochen zu den Last-Minute-Flugverkaufsschaltern am anderen Ende des Terminals, nur um dort festzustellen, dass es angeblich unter 800 Euro keinen Inlandsflug von Sri Lanka nach Bali gibt. Bullshit, denke ich und zücke das Handy, klicke mich durch die Air Asia-App und buche einen Bali-Flug für den dreißigsten September für 140 Euro… Für den ich allerdings keine Bestätigung bekomme weil die dämliche App, wie ich beim zweiten Buchungsversuch feststelle, die Email-Adresse nicht abfrägt! Keine Ahnung also wohin die die Tickets schicken wollen, bis heute wurde auch mein Kreditkartenkonto noch nicht belastet. Aber das löst mein Problem im Flughafen in keinster Weise und ich wende mich noch einmal an den gelangweilt dreinblickenden Ticketverkäufer, der plötzlich einen linkischen Gesichtsausdruck bekommt. Ich ahne, was mir gleich vorgeschlagen wird. Ein krummes Ding. Auf meine Kosten. Und tatsächlich: wenn ich wolle, könne er mir ein selbstkündigendes Ticket ausstellen. Kostet nur schlappe 150 Euro, das seien die Stornokosten. Scheinbar bin ich also nicht der erste Depp, der das mit dem Weiterflug versemmelt und hier hat sich ein netter kleiner Nebenverdienst etabliert. Ich schaue auf die Uhr und wäge ab. In vier Minuten schließt der Check-In. 150 Euro löhnen oder 600 Euro Flugkosten in den Wind schießen? Ich wäge das Risiko ab ob es sich lohnt, mir einfach nochmal ein richtiges Ticket zu suchen und dann verspätet zum Check-In zu hecheln und um Einlass zu betteln. Und entscheide mich dagegen. Ich klatsche dem Typen die 150 Euro hin und kriege fast einen Herzinfarkt, als er in aller Seelenruhe meine Personalien aufnimmt und das Ticket mit einem Drucker druckt, der nur minimal schneller arbeitet als jemand, der das Drecks-Ticket per Hand gezeichnet hätte. Ich muss mir immer wieder vergegenwärtigen, dass ich immer noch in Deutschland bin. Schweißgebadet rase ich schließlich zur Gepäckaufgabe (eingecheckt hatte ich vortags online), die Tussi nimmt mein Faketicket entgegen und ist sich nicht zu blöde, mir mitleidig mitzuteilen, dass heute schon viele vor mir das selbe Problem hatten. Na sauber. So hatte ich mir das mit der Entschleunigung nicht vorgestellt. Wenigstens bin ich jetzt drin und wechsle in der Hektik noch schnell 350 Euro in Singapur Dollar. Gefallen mir gut, diese Scheine, schön neu und ausnahmsweise mal ohne Inflation, die 350 Euros geben mehr als 400 Dollars. Erst als ich später im Flugzeug im Reiseführer schmökere, wundere ich mich über die horrenden Preise. Ein Bier kostet 300 Dollar? Wie jetzt? Ich checke mein Geld und frage mich, ob die mich am Flughafen vielleicht beschissen haben bis mir mein Irrtum dämmert: der Kerl am Schalter muss anstelle von "Sri Lanka" "Singapur" verstanden haben. Na gut, reist der Andi eben mit einer Börse voller Singapur-Dollar von Deutschland nach Sri Lanka.
Der Flug selbst war angenehm erträglich, alles was ich über SriLankan Airlines gelesen hatte, bewahrheitete sich. Passable Beinfreiheit, zweimal warmes, schmackhaftes Flugzeugessen, freundlicher Service und überraschend gutes Bordprogramm auf nagelneuen Entertaiment-Systemen.

Der Flieger setzte Punkt fünf Uhr Ortszeit am Flughafen in Colombo auf und nach einer überraschend entspannten Visakontrolle (mein Visa hatte ich online beantragt und, so weit ich mich erinnere, ein gefaktes Ausreisedatum eingetragen, die 150 Euro schmerzten deshalb um so mehr, weil sich absolut niemand für mein Storno-Ticket interessierte) wechselte ich mein Geld in singhalesische Rupien und wagte ich mich hinaus in die Morgendämmerung Colombos. Hinein in das tropische Klima, zu den Palmen und den typischen Gerüchen. Vorbei an den üblichen lärmenden Taxischleusern, die natürlich auch hier unvermeidlich sind, suchte ich mir draußen einen Taxifahrer, der mich zum Bahnhof fuhr. Ich überlebte die Fahrt sogar und wir sind auch nur zweimal fast mit Tuk-Tuks und einmal mit einem Schulbus kollidiert. Mein Plan sah vor, so schnell wie möglich aus dem Großstadt-Moloch herauszukommen und mit dem Zug gen Süden nach Mirissa zu gondeln. Ich bin in Asien bereits ein paar Mal Zug gefahren, deswegen wusste ich grob, was mich am Bahnhof erwarten würde. Nämlich für einen Westler heilloses Durcheinander und Chaos. Die Hektik meiner bisherigen Anreise schien sich fortzusetzen, denn der Fahrkartenverkäufer gab mir zu verstehen, dass mein Zug nach Weligama gleich abfahren würde, der nächste käme in eineinhalb Stunden. Eh klar, dass ich versuchen musste, den noch zu erwischen. Erster Klasse geht übrigens nur nach Buchung (hattest natürlich recht, Reinhold…), also kaufte ich zweite Klasse für sagenhafte 200 Rupien, was etwa 1,20 Euro entspricht. Für über 120 Kilometer. Natürlich gabs am Bahnhof keinerlei Hinweistafeln. Mir blieb leider auch keine Zeit die interessante Architektur des Gebäudes zu studieren, entsprungen aus der Liebschaft eines britischen Kolonialbaus und dem allgegenwärtigem Retro-Schick (der aus dem asiatischen Hang, Gebäude in Windeseile verfallen zu lassen, entsteht). Die Züge selbst parken auf ihren Gleisen alle nebeneinander und theoretisch wäre es auch möglich gewesen, die Bahnsteige über eine Brücke zu erreichen. Macht in der Praxis aber keiner und man hüpfte einfach durch die offenen Türe der Waggons von Zug zu Zug. Bis man im (hoffentlich) richtigem angelangte. Und weil die Schilder ausschließlich singhalesisch waren, half nur durchfragen.
Die eigentliche Zugfahrt von Colombo nach Weligama gehörte zum schönsten was ich bisher auf meinen Reisen erlebt habe. Auch in der zweiten Klasse reiste es sich angenehm (für die dritte war ich persönlich noch nicht bereit, jede Ölsardine hat es angenehmer) und das beste war, dass die ganze Fahrt bei offenen Fenstern stattfand und die Strecke fast ausschließlich an der Küste entlang verlief. Obwohl ich eigentlich todmüde hätte sein müssen, wollte ich nicht schlafen, weil ich mich einfach nicht an der Aussicht satt sehen konnte. Unberührter Dschungel wechselte sich mit gigantischem Ozeanblick und einfachen Behausen entlang der Bahnstrecke ab, Kinder winkten, Fischer knüpften ihre Netze, in bunte Saris gekleidete Frauen erledigten den Haushalt. Gefühlt alle 15 Minuten hielt die Bummelbahn an irgendeinem Bahnhof, aber was mich zu Hause unglaublich genervt hätte, war hier jedes mal ein Erlebnis für sich, weil an jedem Halt neue Händler den Zug bestiegen und ihre selbst gebackenen Süßigkeiten verkauften, Musikanten zu und abstiegen und umtriebige Verkäufer vom Bahnsteig aus durch die Fenster kühle Getränke anboten. Jedes Mal wenn der Zug anfuhr, ging ein Ruck durch alle Waggons und es schepperte, dass man meinen könnte, gleich reiße alles auseinander. Tat es natürlich nicht und der Koloss setzte sich schnaufend in Bewegung und tuckerte unermüdlich und ständig hupend weiter. Irgendwann kam er dann auch nach Weligama, was für mich wieder in Stress ausartete, weil es natürlich keinerlei Ansagen im Zug gibt und ich deshalb bei jedem Stopp den Kopf aus dem Fenster stecken und fieberhaft nach einem Hinweisschild suchen musste das mir verriet wo ich mich befand.

In Weligama schnappte ich mir schließlich ein Tuk-Tuk, das mich für kleines Geld nach Mirissa in mein Homestay kutschierte. Tuk-Tuk-Fahren habe ich aus Thailand übrigens als weitaus lässiger empfunden, wenn mich meine Erinnerung nicht trügt hat man in den Tuk-Tuks dort mehr von seiner Umgebung mitbekommen, jene in Sri Lanka waren so konstruiert, dass der groß gewachsene Fahrgast nur dann nach draussen sah, wenn er sich ständig unbequem verrenkt. Für meine ersten Nächte hatte ich mich für eine bewusst einfache Bleibe entschieden, das Sun Bird Eco in Mirissa. Kleines Zimmer im Haus einer niedlichen Gastfamilie, Gemeinschaftsbad, weit ab vom Schuss. Keine Air Condition, lediglich ein alter Ventilator, der mühsam die heisse Luft umwälzte und kaum das Moskitonetz zu durchdringen vermochte. Warum eigentlich Mirissa? Kurz, weil Stefan Loose das ehemalige Backpacker-Mekka empfiehlt. Und ohne den Loose, den Christoph und Claudia mir für meine Reise geschenkt hatten, wäre ich wohl komplett aufgeschmissen gewesen, denn die Navigation über Apps klappt in Sri Lanka bei weitem nicht so gut wie sie das zum Beispiel in Bali tut. Angeblich hat Mirissa auch einen der schönsten Strände Sri Lankas. Ob das stimmte konnte ich mangels Vergleich noch nicht sagen, aber die Messlatte lag schon mal hoch. Tagsüber ließ es sich dort schön relaxen und auch baden (was im Süden aufgrund der Felsen im Wasser und der hohen Wellen nicht selbstverständlich war) und abends verwandelten die zahlreichen Fischrestaurants und Bars den Strand in ein kitschig-romantisches Postkarten-Motiv mit viel zu vielen verliebten Pärchen, was ich am ersten Abend noch gut mit den zahlreichen Happy-Hour-Cocktail-Angeboten ignorieren konnte.

 
 
 
 
 

Am zweiten Tag bestand meine erste Amtshandlung darin, mir einen Motorroller zu mieten und damit die Umgebung zu erkunden. Herumcruisen war mir (trotz Linksverkehr) in Asien immer das höchste. Ich, der ich zu Hause niemals ein Moped oder ein Motorrad besteigen würde. Neben organisatorischen Dingen wie der Anschaffung einer lokalen Simkarte und eines Strandtuches (ist in den Budget-Behausungen alles andere als üblich, so schien's…) besuchte ich noch ein paar Surfcamps. Mein Plan sah vor, meinen Geburtstag in einem von ihnen zu verbringen. Wo auch immer ich war traf ich junge, schöne Menschen in trautem Zusammensein am Pool oder beim Beachvolleyball (nur surfen war scheinbar keiner), hinter Mauern und unter sich. Einerseits fände ich das schon reizvoll, andererseits kostete der Spaß aber auch richtig Geld und ich war mir immer noch nicht sicher ob es nicht besser wäre, mir einfach am Strand einen der zahlreichen Lehrer zu nehmen.

Etwas später, zurück in der Bucht von Mirissa, ich orderte gerade ein Curry und Deputy Mr. Kelum, einer der beiden Inhaber des Water Creatures, ein singhalesischer Mr. T inklusive Irokesen-Bürsten-Schnitt, sorgte für folgende, lustige Anekdote: Mirissa war nicht nur bekannt für seinen Strand, sondern auch für seine Waltouren. Wale beobachten war ein noch recht junger Tourismuszweig in Sri Lanka und einer, der mich nun mal so gar nicht anmacht. Stundenlang auf dem Meer herumzutuckern um vielleicht mal eine Finne zu erspähen: nicht mein Ding. Also antwortete ich Deputy Mr. Kelum auf seine Frage ob ich bei ihm eine Whalewatching-Tour buchen möchte, im Versuch witzig zu sein mit:
„No, I’m not interessted in Whales, only in girls.“
Was natürlich kolossal nach hinten losging als mir Deputy Mr. Kelum mit recht zotigen Zeichen und einem breiten Grinsen antwortete
„ Singhalesi or European Girls?“
Aber das Eis war immerhin gebrochen, denn jetzt wollte er wissen, ob ich rauchen würde.
„If u want Marihana, come to me!“
Na prima, keine zwei Tage hier und schon den erste Dealer aufgestöbert. Am Nebentisch machte es sich gerade Anaella bequem, eine hübsche Französin, die sofort von einem Beachboy belagert wurde (das sind die männlichen Prostituierten, vor denen alleinreisende Frauen jeder Reiseführer warnt). Aus den Augenwinkeln bekam ich mit, dass sie den Typen irgendwas fragte, woraufhin der in eine Richtung deutete und Anaella schließlich dorthin aufbrach. Ich hatte gerade mein Curry vertilgt und lauschte einer Räuberpistole von Deputy Mr. Kelum, als Anaella wieder zurückkam und mich auf englisch fragte, ob ich schon mal etwas von einer Secret Beach gehört hätte. Die müsse hier irgendwo sein, aber alle Wegbeschreibungen führen ins Nirgendwo. Nun hatte Stefan allerdings nichts von einem derartigem Strand erwähnt, also musste auch ich passen, aber Deputy Mr. Kelum konnte einspringen: der Geheimstrand sei am besten mit dem Moped zu erreichen, ich hätte doch eins und solle Anaella einfach hinfahren. Ich bildete mir ein, dass er sich nur mühsam ein weiteres Grinsen verkneifen konnte. Weil ich eh noch eine Runde schwimmen wollte und keine Lust auf Pärchenstrand hatte und, zugegeben, Anaella auch alles andere als unansehnlich war, willigte ich ein und wir verließen unter lautem Gejohle der Küchenbelegschaft die Bar.
Nach einigen Umwegen und Wirrungen haben wir Secret Beach dann auch tatsächlich gefunden. Und zwar in Form des Privatstrandes eines großen Hotels am westlichen Zipfel der Bucht von Mirissa. Wer hinwill: ihr müsst durch den Hafen (dort eine kleine Zollgebühr löhnen) und Euch am Wachhaus des Hotels vorbeimogeln. Wir sind einfach winkend dran vorbei gedüst.
Lustigerweise waren wir dann auch die einzigen beiden Gäste an einer wirklich spektakulären Location: Gigantische Wellen brachen auf aus dem Meer ragende Felsen und zerschellten spritzend und gischend daran. Der Strand selbst verfügte über zwei Liegen und eine Bar und wer baden gehen will sollte das nicht wie Anaella im Meer tun (und sich dabei komische Stacheln in den Fuß treten), sondern etwas weiter hinten in einem natürlichem Felsenpool, in den alle paar Minuten ein gewaltiger Wasserschwall hereinbrach und einen richtig durchspühlte. Genial! Fast so genial wie später der Sonnenuntergang am Strand mit Bier aus dem Hotel. Oder das Abendessen und die Nacht am Strand, was zusammen mit Anaella unter all den Pärchen doch durchaus zu ertragen war.
Unsere Wege trennten sich allerdings bereits am nächsten Tag wieder, denn Anaella wollte zurück nach Colombo und mein Gastgeber hatte mir am Abend bei meiner Heimkehr eröffnet, dass er auf Grund eines Todesfalls in der Familie alle Gäste verlegen müsse. Es war ihm sichtlich unangenehm und er hatte Tränen in den Augen und ich konnte kaum seinen Redeschwall unterbrechen um ihm zu versichern, dass es okay für mich wäre, auszuziehen. War es auch, denn eigentlich wusste ich nicht, was ich in Mirissa noch tun sollte. Es fühlte sich noch nicht richtig an, längere Zeit hier zu bleiben.

Mein Seele war zwar Zuhause, mein Verstand jedoch noch nicht. Vielleicht werden ihn ja die Ruhe und Abgeschiedenheit von Tangalle zum Schweigen bringen.

(Kleiner Spoiler auf die nächste Episode: sieht gut aus.)

 
 
 
 
 
Mardermolch
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Dieses Weblog ist dem Mardermolch gewidmet, jener oftmals unterschätzten und gerne vernachlässigten Spezies der Satire, des Spaßes, wider der Ignoranz und der Dummheit und allgemein für eine bessere Welt.

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