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W ie ich einst ein kleines chinesisches Dorf vor einer godzilla-ähnlichen Bestie gerettet habe, nur mit einem Stock und einem halb-totem Stinktier bewaffnet.

Ich wanderte unlängst einst durch ein wunderschönes chinesisches Tal, jenes, durch das der Sing-Tse-Fluß sich ein gemütliches Bett geschlängelt hatte. Leuchtend grüne Frösche und feuerrote Lurche sonnten sich auf den dunklen Steinen, ich hatte die Schuhe ausgezogen und spürte das saftig feuchte Gras unter den Füßen. Ich hielt gerade Ausschau nach einem geeignetem Rastplatz um eine spätmorgendliche Jause zu mir zu nehmen, als plötzlich ein markerschütterndes, schrecklich anzuhörendes Brüllen die Idylle zerriss.

Ich spurtete dem ungewohnten Geräusch entgegen, auf einen Hügel, und hatte von dort einen wunderbaren Ausblick auf ein kleines, sehr romantisches und chinesisches Dorf, das sich schutzbedürftig an einen bergigen Hang schmiegte. Das half ihm aber nichts, denn das Brüllen kam von einer godzilla-ähnlichen Bestie, die gerade wild stampfend und fauchend damit beschäftigt war, einen Gemüsegarten* zu verwüsten. Das konnte und wollte ich nicht zulassen. Ich rannte über die Wiesen auf das Dorf zu, wobei ich laut eine japanische Volksweise intonierte, ich hatte das einmal in einem Monsterfilm gesehen, dort hat das, so weit ich mich erinnern konnte, gut funktioniert.

Die godzilla-ähnliche Bestie hielt tatsächlich in ihrem Tun inne und blickte sich suchend um. Just als sie mich erspäht hatte, legte ich mich jedoch der Nase lang mit lautem Platsch in ein Reisfeld**. Denn in meinem Eifer hatte ich ein schon altersschwaches, süd-chinesisches Krallen-Stinktier übersehen, das unglücklicherweise jetzt genau meinen Weg kreuzen musste. Da ich zu jener Zeit noch recht muskulös gewesen war, ging das ohnehin schon kränkliche Tier nicht unbedingt gestärkt aus dieser Begegnung hervor. Damit es sein Leben aber nicht umsonst aushauchen musste, packte ich es ordentlich am buschigem Schweif und schleuderte es wuchtig auf die godzilla-ähnliche Bestie. Das altersschwache, süd-chinesische und halb-tot-getretene Krallen-Stinktier biss sich instinktiv an der weichen Schnauze der godzilla-ähnlichen Bestie fest. Und das gefiel der natürlich gar nicht, wie man sich bestimmt vorstellen kann. Sie ließ vom Gemüse ab und versuchte, den unliebsamen Passagier los zu werden. Weil aber ihre Ärmchen zu kurz waren, blieb ihr nichts anderes übrig, als hektisch herumzufuchteln, wütend zu trampeln und zu brüllen.

Das nutzte ich, geistesgegenwärtigst, vielleicht war auch der ein oder andere chinesische Glücksmolch*** im Spiel, aus. Ich schnappte mir eine Gemüse-Harke, schlug ihr den Kopf gekonnt an einem Pfahl ab und schmetterte den Stock an die Fersen der godzilla-ähnlichen und sehr wütenden Bestie. Sie erstarrte abrupt, sah mich verwirrt an, was, mit dem halb-totem, süd-chinesischem Krallen-Strinktier an der Nase baumelnd, einen sehr grotesken Anblick bot, dann wurden ihre Augen glasig, sie kippte in Zeitlupe nach hinten, fiel ins weiche Gras und wurde sofort von den hungrigen Dorfbewohnern zerlegt, gesalzen und eingefroren.

Dem mittlerweile verstorbenem und durch die Verwicklung mit der godzilla-ähnlichen Bestie etwas mitgenommenem süd-chinesischem Krallen-Stinktier wurde im Rahmen einer feierlichen Seebestattung in einem Reisfeld die letzte Ehre erwiesen und mir wurden ausgesucht schöne, apfelsinenbrüstige Dorf-Jungfern in mein Lager geschickt, wo sie mich mit entspannenden Massagen verwöhnten. Am Ende gab es dann noch ein großes Fest, wir aßen gewürzten Reis, dazu Fleisch der godzilla-ähnlichen Bestie, tranken kühlen Pflaumenwein und tanzten bis tief in die Nacht.

Am nächsten Morgen setzte ich meine Reise durch das idyllische Tal fort, auf zu neuen, spannenden Abenteuern.

____________________________
* Die Leute bauten hier zu jener Zeit bevorzugt wilde Jod-Gurken an. Diese mussten zum Schutz der Gärtner in Käfigen gehalten werden.
** In China gibt es viele Reisfelder. Manche sind so groß, dass eine ganze Kriegsflotte von einem Dorf zum anderen fahren und dort eine Parade abhalten kann.
*** eine sehr seltene Spezies, sie brüten kleine Glückskekse aus, in denen ihr Nachwuchs heranreift.

Mardermolch
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Dieses Weblog ist dem Mardermolch gewidmet, jener oftmals unterschätzten und gerne vernachlässigten Spezies der Satire, des Spaßes, wider der Ignoranz und der Dummheit und allgemein für eine bessere Welt.

9 Comments

  1. Hoppsä sagt:

    manchmal mach ich mir wirklich sorgen um dich…

  2. Andi sagt:

    Guckst Du: Wichtiges über den Mardermolch.

    Heute ist der 2te Satz die Lösung Deiner Probleme. ;- )

  3. Gerda sagt:

    hm, ich will auch mitkommen…. kannst mich nicht durch das Krallenstinktier ersetzen … das ist ja nun tot …
    so wie bei heroes
    Du bist Hiro Nakamura ich Ando…

  4. Andi sagt:

    Leider handelt es sich um Erlebnisse, die bereits vergangen sind! Ein Reisebericht quasi!
    Und warum muss ausgerechnet ich der fette Japaner sein?

  5. Bayer im halben Exil sagt:

    Ich würd mal Phantasiegeschichte aus ner fünften Klasse tippen.

  6. Andi sagt:

    Fünfte Klasse mag sein, aber Phantasie? Nie nicht.

  7. Gerda sagt:

    der fette Japaner war aber doch der Held…
    und Zeit spielt keine Rolle … er war ja ein Zeitreisender °^°

  8. Andi sagt:

    Wenn dann will ich der Takezo Kensei sein (kommt aber glaub ich erst in der zweiten Staffel vor).

  9. Gerda sagt:

    … toll also ein ehemaliger Säufer, Feigling, potentieller Massenmörder … gehts noch ???? … Mr. Hyde, Jack the Ripper… mit dir geh nirgends hin °^°

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