Mardermolch

10. September 2015

Ein Sommernachtstraum

Die Sonne hatte die Luft so sehr aufgeheizt, dass die Wärme eine physische Qualität gewann. Sie entwickelte eine Präsenz, schärfte ihr Profil und wuchs über sich selbst hinaus, gleich einem dringenden Wunsch, der kurz vor seiner Erfüllung noch einmal all seine Kraft in eine übermächtige, sehnsüchtige Leidenschaft steckte.
7. September 2015

Dirndl Rausch

Lorenz Hölzl sog das Aroma der verbrannten Marihuana-Pflanzen mit einem tiefen Atemzug ein. Die traurigen Überreste der zerstörten Stauden ragten wie Knochen einer Brandleiche aus dem Boden und boten einen mitleiderregenden Anblick. Ihr Besitzer, Josef Feicht, der von allen hier in Feilnbach nur da Feichtl gerufen wurde, stand betrübt am Rande des Feldes bei einer Gruppe von Feuerwehrleuten und hatte eine Miene aufgesetzt, als wäre gerade die Welt untergegangen und nicht nur eine hektargroße Hanfplantage verkokelt. Immerhin seine zweite innerhalb einer Woche. Und bei einer Gesamtzahl von zwei Feldern hatte es sich nun ausgehanft für den Feichtl. Und damit war nun auch Lorenz offiziell in den Fall involviert. Kein Mord dieses Mal, sondern ein ganz ordinärer Feuerteufel. Der Bad Feilnbachs Bauern in Angst und Schrecken versetzte. So würde es morgen zumindest mit einiger Sicherheit in den lokalen Klatschblättern stehen, denen der kleine Kurort am Fuße des Wendelsteins seit ein paar Wochen wieder zuverlässig und stetig neues Material lieferte.
7. September 2015

Die symphatische Wiesn…

Seit einer Woche ist gefühlt ganz Rosenheim nebst Umland im Ausnahmezustand. Denn das Herbstfest findet statt. Gerade hat die „sympathische Wiesn“ ihr zweites Wochenende hinter sich und steuert auf ihren Endspurt zu. Die Fotos in den Zeitungen oder auf den sozialen Kanälen zeigen lachende Menschen in bunten Trachten, die vor dem Riesenrad posieren oder Maßkrüge schwenken. Lokalprominenz und -politiker, die in der Menge baden. Friede-Freude-Lebkuchen. Was die Bilder in der Regel nicht zeigen: besinnungslos Betrunkene, Schlägereien, grantige Gesichter, die um Biertische kämpfen, grantige Türsteher, die aus dem Bild der sympathischen Wiesn nicht mehr wegzudenken sind.
23. August 2015

Ach Echelon…

Ach Echelon. Was war ich gespannt auf Dich. Obwohl’s Dich nun schon so lange gibt, habe ich Dich heuer das erste Mal besucht. Ich habe wilde Geschichten über Dich gehört. Du seist eins der letzten großen Untergrund-Electro-Festivals, das noch nicht dem EDM-Kommerz verfallen sei, hat es geheißen. Nicht dass ich etwas gegen Mainstream hätte, ganz im Gegenteil. Ich höre gerne melodische elektronische Tanzmusik. Und ich mag auch die gigantischen Bühnen eines Tomorrowlands oder Electric Love. Mit den ganzen Lichtspielerein und den Feuerfontänen.
//]]>