Der Autor des Mardermolchs wundert sich, ob ausser ihm und seiner Schwester eigentlich sonst noch wer Supernatural anschaut.

Bisher zeichnete sich die Mystery-Serie Supernatural dadurch aus, dass sie von Staffel zu Staffel besser wurde. Nummer 5 fand mit der vorläufigen Abwendung der Apokalypse einen fulminanten Höhepunkt, Sam hatte sich geopfert, Dean sein Familienglück gefunden, alles in bester Ordnung. Wenn da nicht die Geldgier der Produzenten gewesen wäre. Wegen dem enormen Erfolg von Supernatural musste natürlich nach den Gesetzen Hollywoods die Kuh weiter gemolken werden und die eigentlich auf fünf ausgelegte Geschichte bekam eine sechste (und siebte) Staffel verpasst. Und, bei aller Liebe für die Winchester-Buben: niemand versäumt ernsthaft etwas, wenn er einfach die letzte DVD der sechsten Staffeln ins Laufwerk schiebt, sich die Zusammenfassung und anschließend die drei letzten Folgen ansieht. Diese sind nämlich auf dem gewohnt hohem Niveau, der ganze charismatische (Ur-)Cast ist versammelt, die neu eingeführten, größtenteils unsympathischen (Sam Senior) und überflüssigen Figuren (die neuen Jäger) abgemurkst. Alles deutet darauf hin, dass den Autoren die Ideen ausgegangen sind und sie schlicht keine Ahnung hatten, was sie in 22 neuen Folgen noch so erzählen könnten. Doch statt der grandiosen Vorlage um den Krieg zwischen Himmel und Hölle dramatische Tiefe zu verpassen, spinnen sie einen kruden Plot um die Rückkehr eines seelenlosen Sam aus der Hölle, stricken daraus einen Konflikt zwischen den beiden Brüdern, der sich über zwei Drittel der Staffel erstreckt, eine durchgehend finstere Drama-Atmosphäre erzeugt und geschuldet seinem Kammerspielcharakter die große Geschichte fast völlig aus den Augen verliert. Schlimmer noch: Supernatural kehrt zurück zu seinen mauen Wurzeln und erzählt in nahezu jeder Episode eine abgeschlossene Geschichte, in der ein anderes Fabelviech zur Strecke gebracht wird, während sich Sam und Dean wieder zusammenzuraufen versuchen.
Das erste Problem an dieser Herangehensweise: serientypisch haben alle Monster eine menschliche Form. Völlig egal ob Drache, Spinne oder Phönix. Das wird streckenweise auf alberne Spitzen getrieben, wenn ein Spinnendämon in weiblicher Menschenform seine Opfer einspinnt oder es die Brüder plötzlich mit Feen zu tun bekommen, die allerdings wie ganz normale Leute aussehen. Dass das auch besser ginge, zeigt die Folge mit dem Hirnwurm, die ist aber leider eine Ausnahme. Das Ergebnis der penetranten “Vermenschlichung” ist eine seltsame Beliebigkeit und nur wenig Grusel-Feeling.
Das zweite Problem: Supernatural tat sich noch nie leicht damit, eine glaubhafte Weltuntergangatmosphäre aufzubauen. Da droht die Apokalypse und die Helden finden trotzdem immer noch Zeit, hier und dort unwichtiges Dämonengesockse zu vermöbeln. In der Welt spiegelt sich das Armageddon gar noch weniger wieder, vereinzelt berichteten früher TV-Übertragungen von Katastrophen-Häufung, aber auch dieses Element ließen die Autoren leider schnell wieder fallen. In der sechsten Staffel nun ist kaum mehr eine Bedrohung zu spüren und alle Versuche, diese aufzubauen, scheitern kläglich. Die durchaus interessante Figur der Mother of All wird in wenigen Folgen gnadenlos verschenkt, der Krieg der Engel hat keinerlei spürbare Auswirkung auf die Menschenwelt. Auch die Mechanik krankt nach wie vor gewaltig und hält keiner genaueren Überprüfung stand. Mal sind Engel und Dämonen nahezu allmächtig, in Situationen, in denen deren Fähigkeiten kriegsentscheidend wären, sind sie aber dann entweder nicht da oder auf wundersame Weise blockiert. Der Wissensstand und die Fähigkeiten einzelner Figuren variieren, je nachdem wie es der Plot gerade erfordert und vor allem der Charakter des Dean setzt mehr als einmal völlig krude Wertevorstellungen an.
Warum ich trotzdem durchgehalten habe, ist hauptsächlich den Nebenfiguren auf die Fahnen zu schreiben. Immer wenn die Engel Castiel und Balthasar, Teufelsanwärter Crowley, Deans Love-Interesst Lisa und der etablierte Brummbär Bobby Singer auftauchen, ist gute Unterhaltung garantiert. Es ist mir ein unerklärliches Rätsel, warum Supernatural diese Stärken nicht besser nutzt. Und eine stringentere Geschichte erzählt. Dann würde sich die sechste Staffel nicht dauernd verzetteln, man könnte wie in der Vorgängerstaffel einen ordentlichen Bösewicht aufbauen und alles wäre gut. Zwischendurch blitzt übrigens dann doch immer wieder mal der etablierte Serienhumor durch. Da beäugt Dean in Erwartung einer unbekannten Bedrohung eine vibrierende Wasserpfütze und konstatiert trocken “T-Rex?”, in einer Folge ändert Engel Balthasar die Geschichte und lässt die Titanic nicht sinken, weil er somit die Entstehung von Celin Dions “My Heart will go on” verhindern will und ein anderer Engel schickt Dean und Sam in ein Paralleluniversum, in dem sie plötzlich die beiden arroganten Schauspieler Jensen Ackles und Jared Padalecki sind, die gerade die TV-Serie Supernatural drehen.
Immer dann ist die sechste Supernatural-Staffel ganz groß. Und auch am Ende, wenn sich der Plot wieder verdichtet und die Autoren dann doch noch ein überraschend mutiges Finale hinbekommen, das durchaus Lust auf Staffel 7 machen würde… Nur dass ich diesesmal standhaft bleiben werde und die Geschichte hier für mich endet.
(Wer mag, kann sich sich hier den leicht spoilerigen Trailer ansehen…)

Man mag es nicht glauben, aber hier, fast am Ende der Welt, kennt und schaut Mann und Frau tatsächlich Supernatural! Wir sind nicht allein!
Na das is doch pflichtprogramm =D nur leider momentanes aussetzten ez kann man montage zu gar nix gebrauchen