
Monsters ist einer dieser Filme, die ich mir eigentlich im Kino hätte ansehen wollen, was ich dann nicht geschafft habe, dann die DVD hätte kaufen wollen, was mir anfangs zu teuer war, und dann erst zugegriffen habe, als sie zum Budget-Preis in den Regalen stand. Und das tut mir jetzt außerordentlich leid, denn diese Perle hätte schon viel eher meine Aufmerksamkeit verdient. Der Film um ein Pärchen, das durch eine infizierte Zone der Größe Zentralamerikas wandern muss, in der vor vielen Jahren eine NASA-Sonde mit außerirdischen Sporen an Bord abgestürzt ist, woraufhin sich die Aliens in diesem Territorium ausgebreitet haben, ist zunächst nicht unbedingt eine große Besonderheit. Die Inszenierung ist intensiv und pseudo-dokumentarisch, hat man aber ähnlich schon zuvor in District 9 gesehen. Die raren Spezialeffekte sind recht ordentlich geraten und die unbekannten Darsteller fügen sich gut ein. Der Filmtitel ist irreführend, denn von den titelgebenden Monstern ist im Film eher selten etwas zu sehen, der Fokus liegt klar auf der Waswärewenn-Situation, wenn also Aliens schon lange auf der Erde wären und wie sich die Menschheit damit arrangieren muss, exemplarisch versinnbildlicht an den beiden Hauptcharakteren, zwischen denen sich nach und nach auch noch eine sanfte Liebesgeschichte entwickelt.
Der eigentliche Hammer traf mich aber erst, als ich das umfangreiche Bonusmaterial der DVD gesichtet habe: Der ganze Film ist doch tatsächlich mit Minimal-Budget, nur vier Crew-Mitgliedern und zwei Schauspielern entstanden. Gareth Edwards vereint neben dem Regisseurs-Posten auch noch den des Autoren und Kameramannes und kommt in den ehrlichen und fernab der sonst mit hollywoodtypischen Lobhudelein vollgestopften Making Ofs so unglaublich sympathisch rüber, dass ich mir wünschte, er würde mal zusammen mit Robert Rodriguez einen Film drehen. Er scheuchte seine beiden Darsteller durch ganz Zentralamerika, sämtliche Aufnahmen entstanden vor Ort, es gab keine Greenscreens, keine Studioaufnahmen, keinerlei künstliches Licht. Absolut faszinierend, wenn man (so wie ich durch den Konsum unzähliger Making Ofs) weiß, mit welchem Aufwand Filme sonst gedreht werden. Die beiden Schauspieler mussten vor Ort mit der Bevölkerung interagieren und ihre Dialoge improvisieren. Ausser den beiden ist am gesamten Film kein einziger professioneller Darsteller beteiligt gewesen. Kaum zu glauben, wenn man sich unter dieser Prämisse den Film nochmals ansieht. Der Knüller ist aber die Entstehung der Spezialeffekte, die Edwards zu Hause an seinem Privatrechner (!) mit handelsüblicher Software wie Premiere und After Effects zauberte! Dabei verrät er auch viele seiner Tricks, beispielsweise, wie einfach es ist, Beschriftungen in einen Film einzufügen, Schilder auszutauschen oder einen Panzer durch die Straßen rollen zu lassen. Viele kleine Dinge, die einem beim bloßen Konsum des Films zunächst gar nicht auffallen, aber ungemein zur Atmosphäre beitragen.
Am Ende entstand in mir der dringliche Wunsch, all mein Erspartes in eine ordentliche Videokamera zu investieren, mir ein paar begeisterungsfähige Kollegen zu suchen und selbst einen Kinofilm zu drehen. Denn alles, was es neben der Einmalinvestition in brauchbare (und heutzutage auch bezahlbare) Technik bedarf, ist eine Vision und die Leidenschaft, diese umzusetzen. Vielleicht sollte ich den Dirndlporno nicht erst schreiben, sondern gleich verfilmen…
