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ENTWEDERundODER

Hubert von Goisern in Maxlrain, quasi gleich um’s Eck, das kann ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Das war das, Moment ich muss nachrechnen, sechste Konzert von ihm dem ich beigewohnt habe und die Spannung war groß, wie sich das neue Album mit dem Titel ENTWEDERundODER anhören würde, das da im September nach der aktuellen Tour veröffentlicht werden wird. Goiserns Gesamtwerk zeichnet sich ja bekanntlich dadurch aus, dass er sich mit jedem Album weiterzuentwicklen versucht, sich nicht wiederholt. Nach der letzten opulent ausgestatteten und balkansound-geprägten Platte S’Nix kommt das neue Programm zunächst einmal ungewohnt rockig daher. Fast schon zu rockig für meinen Geschmack, es dominieren E-Gitarre, Bass und Schlagzeug, nur zweimal greift Hubert zur Ziach. Würde er nicht in seinem unverkennbarem Dialekt, sondern auf englisch singen, man könnte glatt meinen, im falschen Konzert zu sitzen. Doch nach und nach stellt sich dann der Aha-Effekt ein. Mit der gnadenlosen Reduzierung seiner Band, übrig sind nur noch Gitarrist, Bassist und Schlagzeuger aus der alten Truppe, geht auch ein neuer Minimalismus in seiner Musik einher. Keine Frauenchöre, keine Geigen, keine fremd klingenden Balaleikas, kein Piano (!) begleiten die vornehmlich heiteren neuen Stücke. Die akustisch auflockernden Elemente der Lieder werden allesamt von Gitarre und Bass übernommen und es ist faszinierend, was die Ausnahmemusiker Severin Trogbacher und Helmut Schartlmüller aus ihren Instrumenten herauskitzeln. Das neue Programm hört sich fast wie ein Schlenker zurück zu den Wurzeln an, ein Hauch Alpinkatzen weht mit ihm einher. Gleichzeitig schwingt aber die Erfahrung der vielen Reisen und Einflüsse mit hinein, mal merkt man das den melancholischen Texten der Balladen, mal dem punktgenauem Zusammenspiel von Dialekt, Kuhglocken und E-Gitarre an. Letzteres gab es zwar auch schon zuvor, aber nicht in dieser Perfektion.

Ein Wort noch zur Organisation in Maxlrain. Dass das Konzert witterungsbedingt von der Schlosswiese auf den Parkplatz nebenan verlegt werden musste, verständlich. Das kostete zwar Atmosphäre, wurde aber durch den rechtzeitig aufklarenden und sich den Regen verkneifenden Himmel kompensiert. Für meine 55 Euro Eintritt hätte ich mir aber zumindest eine ausgereiftere Bühnentechnik erhofft (wo waren beispielsweise die Leinwände?). Über die Entscheidung, das Konzert zu bestuhlen, lässt sich sicherlich streiten, und auch wenn Goisern selbst das Prozedere scheinbar mit der Entscheidung rechtfertigte, das neue Album erst nach der Tour zu veröffentlichen, „damit Es ned wieder ois auswendig lernts und midsingts“, wäre der Verzicht auf die Stühle der Stimmung sicher förderlicher gewesen.

Im Nachhinein bereue ich es fast, statt nach Maxlrain nicht nach Kaltenberg gefahren zu sein, dort spielt Hubert von Goisern nämlich am 30. und 31.7. zusammen mit Künstlerkollegen wie Haindling, Claudia Koreck, Ganes und BAP, was sicherlich das größere Spektakel werden wird. Wer also die Möglichkeit hat hinzufahren, und sich auch nur ansatzweise für die Art Musik begeistern kann, so eine Gelegenheit kommt so schnell nicht wieder. Ich fahr auch mit!

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