Der Reiher und der Sinn des Lebens

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A uf der feuchten Wiese, im Nebel, da stand ein Reiher. Unschlüssig war er, wusste nicht recht, was er in diesem Moment, im Nebel, in der feuchten Wiese, ein Bein an den Körper gepresst, auf dem anderem im nassen Gras stehend, mit sich und der Welt im Allgemeinen anfangen sollte. Da kam ein großer, grüner und ziemlich glitschiger Frosch des Weges gehüpft. Er kreuzte direkt den Weg des würdevollen Vogels, hockte sich zur Verblüffung des Reihers vor diesen, quakte herzhaft, es war ein besonders schönes und lautes Quaken, das kann ich Euch sagen, und es ergab sich folgendes Gespräch: „ Du, Herr Reiher, weißt Du denn, was der Sinn unserer Existenz ist? Das beschäftigt mich.“ Der erstaunte Reiher sah sich für einen Moment aus seiner Lethargie gerissen. Er überlegte sorgfältig und beobachtete dabei misstrauisch den großen grünen Frosch, der da seelenruhig vor ihm saß. Schließlich hatte er einen ihm passend erscheinenden Gedanken gefunden, hin und her gedreht, von allen Seiten begutachtet und antwortete: „Herr Frosch, ich denke nicht, dass unsere Existenz einen Sinn hat. Wir sind nur, um zu sein.“
Diese Antwort schien der große grüne Frosch erwartet zu haben, denn er entgegnete prompt: „Aber um zu sein, benötigen wir Sinn, sonst wäre alles umsonst. Denn der Sinn hält das Sein zusammen, also MUSS es einen direkten Zusammenhang geben. Hätte Gott, falls es den gibt, gewollt, dass wir ohne Sinn wären, dann könnten meine Beine doch auch am Kopf befestigt sein. Weil alles völlig beliebig wäre. Aber meine Beine befinden sich nun mal nicht an meinem Kopf, wie du sicher erkennen kannst, Herr Reiher.“ Der Reiher blickte den großen grünen Frosch lange und nachdenklich an. Dann beugte er sich nach vorne, öffnete den Schnabel und verschlang ihn.

Sinn des Lebens

Mardermolch
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Dieses Weblog ist dem Mardermolch gewidmet, jener oftmals unterschätzten und gerne vernachlässigten Spezies der Satire, des Spaßes, wider der Ignoranz und der Dummheit und allgemein für eine bessere Welt.

4 Comments

  1. angela sagt:

    Und was schließen wir daraus? Du sollst nicht immer alles in Frage stellen bzw. hinterfragen, sonst geht es dir wie dem Frosch.

  2. matthias sagt:

    Ich zitiere Switch reloaded, Obersalzberg, Hitler:

    „Deswegen sag ich immer 1000-jähriges Reich…weil die ersten 500 Jahre werde eh nur dumme Fragen gestellt.“

    :D

  3. Andi sagt:

    Wir brauchen mehr Reiher und weniger Frösche.

  4. Gerda sagt:

    Nein, wir brauchen weniger melanchonische Reiher und mehr lebensbejahende Frösche … auch wenn deren Leben bisschen kurz sein kann …. Herr Reiher !

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