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Wenn Schmetterlinge schreiben.

Die putzige kleine Johanna
17. Februar 2012
Schemen
22. Februar 2012
 

A Wie unglaublich naiv ich doch war, als ich mich vor gut einem Jahr das erste mal hingesetzt habe und die ersten Zeilen meines ersten Romans in mein Notebook getippt habe. Ich dachte, ich könne das einfach so 'runterschreiben, ganz flockig, wie einen Blogeintrag oder eine Facebook-Status-Meldung. Am Anfang war die Idee, und die ist auch heute noch, aber alles andere hat sich verändert, es ist, als würde ich in ein Kissen greifen und verzweifelt so viele Federn wie möglich zu ergreifen versuchen. Ich dachte, ich bräuchte kein System, keine Recherche, kein Konzept. Das würde sich schon alles ergeben. Nach den ersten 100 Seiten kam dann die erste Wand. Mir wurde etwas mulmig und es wurden auch die ersten Zweifel von Wegbegleitern des Projekts laut: Ob ich denn keine entsprechende Software verwenden würde? Wie meine Struktur aussehe? Verflixt. Mittlerweile bin ich bei der fünften Version des Buches angelangt. Habe es gerade wieder vollständig von vorne an überarbeitet. Neuer Schauplatz des Mordes, neues Motiv des Mörders, neue Art des Mordes, ein komplettes Kapitel über den Apfelmarkt, auf dem weite Strecken der Handlung gespielt haben, raus, dafür ein fiktives Weinfest in Feilnbach ersonnen. Mich nun doch entschlossen, keine erfundenen Orte zu verwenden, sondern die Geschichte in Feilnbach und Rosenheim spielen zu lassen. Verbunden mit der ständigen Gratwanderung, wie weit ich da gehen kann. Es gibt da zum Beispiel ein Kapitel, das beginnt mit der Beschreibung einer vormals fiktiven Uni, deren Vorbild die LMU ist. Ich mag die Einleitung sehr, weil sie für mich eine persönliche Abrechnung ist und ich sie gerne im Buch gehabt hätte, jetzt müsste ich sie aber auf die Rosenheimer FH ummünzen, was ich für unfair und gefährlich halte, weil ich die Schule gar nicht kenne. Derzeit geht die Passage so (die Namen sind nur Platzhalter):



In München gibt es eine Universität, die unter gewissen Umständen als renommiert bezeichnet werden könnte, vorausgesetzt, man kennt sie und ihren Ruf nur von aussen. Wer dort studiert hat, wird unter vorgehaltener Hand ganz anderer Meinung sein, sich aber hüten, dazu etwas öffentlich verlauten zu lassen. Tatsächlich ist die Ludwig-Maximilian-Universität ein verknöchertes Relikt einer Lehrinstitution, die den Anschluss an moderne Wirtschaft und Technik schon längst aus den Augen verloren hat und ein System im System pflegt, das sowohl Dozenten als auch Studenten zu hinterfragen aufgehört haben. Die Gruppe der erstgenannten hat einen sicheren und leidlich gut bezahlten Arbeitsplatz, an dem sie weitestgehend tun und noch viel mehr lassen können, was ihnen beliebt, zuletzt Genannte profitieren vom nach wie vor guten Ruf der Universität und die Klügeren unter ihnen haben sich zeitig damit abgefunden, dass die eigentliche Ausbildung erst nach dem Diplom beginnt und sie die Zeit während des Studiums besser mit wilden Parties, Alkohol- und Drogenexperimenten verbringen, frei nach dem Motto „Verschwende Deine Jugend, das ist besser als die Alternative“. Das Studium an der LMU unterstützt das weitestgehend, in dem es nach wie vor am traditionellen Scheine-System festhält. Jeder Student muss für seinen Abschluss eine gewisse Anzahl an Nachweisen für belegte Kurse und Vorlesungen vorlegen können. Das lädt fleißige Leute dazu ein, den ganzen Tag besagte Lehrangebote zu nutzen, faule Studenten finden in der Regel aber schnell heraus, wie sie mit geringsten Widerstand an die begehrten Dokumente herankommen und nach und nach wurde daraus eine inoffizielle LMU-Bibel, mit der interessierte Erstsemestler sich einen genauen Fahrplan der Faulheit zusammenstellen können.


Ich könnte jetzt die Handlung wieder umschreiben, damit die LMU der Schauplatz sein kann. Das würde aber wieder weitere Änderungen nach sich ziehen. Wahrscheinlich ist die wahre Kunst an der Sache, einfach loszulassen und gnadenlos zu entschlacken. Immerhin arbeite ich nun weitestgehend mit System. Mit Mindmaps, Zeitstrahlen, Chroniken. Was ist der Unterschied zwischen einem Kommissar und einem Inspektor? Wie startet man einen BMW X5? Ich habe einen Riesensack voller Handlungsstränge, Charaktere, Schauplätze, und alles will in ein schlankes Korsett gepackt werden, der stetig steigende Spannungsbogen muss sanft gespannt werden und die Details sollen für Abwechslung und eine lebendige Welt sorgen. Und das wird mich noch eine zeitlang beschäftigen. Mir war bislang gar nicht klar, dass da ein ekelhafter kleiner Perfektionist in mir steckt.

Ach. Wahrscheinlich wäre ich mit einem Fantasy-Roman besser bedient gewesen. Orks und Elfen im Voralpenland. Mit Dirndln.

 
Mardermolch
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Dieses Weblog ist dem Mardermolch gewidmet, jener oftmals unterschätzten und gerne vernachlässigten Spezies der Satire, des Spaßes, wider der Ignoranz und der Dummheit und allgemein für eine bessere Welt.

2 Comments

  1. BAB sagt:

    Bedenke – je einfacher desto besser

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