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Dirndl Rausch

Die symphatische Wiesn…
7. September 2015
Ein Sommernachtstraum
10. September 2015
 

Das ist ein erster Auszug aus dem im August 2017 erscheinendem Dirndl Rausch, dem Abschluss der Dirndl Trilogie. Wäre dies ein Film, dann wäre das im folgenden Geschriebene ein Teaser. Das bedeutet, es kann, muss aber nicht, in dieser Form im fertigen Buch erscheinen. Dient mir aber im Moment als Grundstein zum Schreiben. Wer näher dran bleiben möchte und noch kein Fan der Dirndl-Trilogie-Facebook-Seite ist, der klickt schnell hier.

Lorenz Hölzl sog das Aroma der verbrannten Marihuana-Pflanzen mit einem tiefen Atemzug ein. Die traurigen Überreste der zerstörten Stauden ragten wie Knochen einer Brandleiche aus dem Boden und boten einen mitleiderregenden Anblick. Ihr Besitzer, Josef Feicht, der von allen hier in Feilnbach nur da Feichtl gerufen wurde, stand betrübt am Rande des Feldes bei einer Gruppe von Feuerwehrleuten und hatte eine Miene aufgesetzt, als wäre gerade die Welt untergegangen und nicht nur eine hektargroße Hanfplantage verkokelt. Immerhin seine zweite innerhalb einer Woche. Und bei einer Gesamtzahl von zwei Feldern hatte es sich nun ausgehanft für den Feichtl. Und damit war nun auch Lorenz offiziell in den Fall involviert. Kein Mord dieses Mal, sondern ein ganz ordinärer Feuerteufel. Der Bad Feilnbachs Bauern in Angst und Schrecken versetzte. So würde es morgen zumindest mit einiger Sicherheit in den lokalen Klatschblättern stehen, denen der kleine Kurort am Fuße des Wendelsteins seit ein paar Wochen wieder zuverlässig und stetig neues Material lieferte.

Da halfen auch die Hinweisschilder, die der Feichtl rund um seine Felder aufgestellt hatte, nichts. „Ohne Rauschgehalt“ stand darauf. „Schade!“ hatten Witzbolde unter einige von ihnen gepinselt.

 

Der Feichtl war einer der beiden Landwirte, die in Bad Feilnbach neuerdings Nutzhanf anbauten. Der andere hieß Hieronymus Breyer, wohnte in der Nachbarortschaft in Au und prekärerweise hatte es bei ihm bislang noch nicht gebrannt. Beide Landwirte folgten jedenfalls einem Trend, der in Zeiten von immer weiter fallenden Milchpreisen und zunehmend bewusster lebenden Konsumenten vor allem kleineren Höfen eine lohnende Perspektive und Alternative zur klassischen Landwirtschaft bot. Obwohl der Hanfanbau mit behördlicher Genehmigung von Statten ging und die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung regelmäßig Kontrollen durchführte, damit die Pflanzen auch ja kein böses Rauschmittel enthielten, machten sich die Cannabis-Bauern nicht nur Freunde in dem kleinen Ort. Schnell hatten sich zwei Lager gebildet, jenes, das die landwirtschaftliche Innovation guthieß oder dem sie zumindest egal war, und jenes, das im Nutzhanfanbau einen weiteren Sargnagel am Niedergang Bad Feilnbachs witterte. Die Befürworter führten an, dass Hanf eine der ältesten Nutz- und Zierpflanzen der Welt sei und dass die Menschen ihn schon vor zwölftausend Jahren in Europa angebaut hätten. Dass die Pflanze viel mehr sei als ein Stoff für Kiffer, ein wahrer Alleskönner, anspruchslos und ergiebig. Die gegnerische Partei zog mit dem zu erwartenden Imageschaden ins Feld, den der undifferenzierte Umgang der Öffentlichkeit und vor allem der Medien mit dem Thema mit sich bringen würde. Nun, so konnten sie es zwar nicht formulieren, aber sie dachten es sich, während sie an den Stammtischen bierseelig Worte dafür suchten. Und tatsächlich sollten sie Recht behalten, denn aus dem Porno- und Swingerdorf hatte die Klatschpresse Feilnbach nun zum Kifferparadies ausgerufen. In Folge besuchten immer wieder Gruppen von Spaßvögeln die Felder, schossen Selfies mit den Pflanzen und ließen einzelne Blätter und auch mal ganze Stauden als Andenken mitgehen. Da halfen auch die Hinweisschilder, die der Feichtl rund um seine Felder aufgestellt hatte, nichts. „Ohne Rauschgehalt“ stand darauf. „Schade!“ hatten Witzbolde unter einige von ihnen gepinselt.

 

Lorenz blickte sich um und hielt Ausschau nach seinem neuen Kollegen von Hohenfels. Auch wenn der Name etwas anderes vermuten ließ, hatte Friedrich von Hohenfels in etwa so viel royales Blut in sich wie Frau Grubers Obstbrand Vitamine. Aber Name war nun mal Name und von Hohenfels vertrat den Standpunkt, dass allein der Verdacht auf Adel ihm Vorteile bei der Damenwelt bescheren würde. Soweit Lorenz das beurteilen konnte, funktionierte das bedingt bis gar nicht, jedenfalls war Freddie ein notorischer Dauersingle, der Körbe sammelte, als gälte es, damit später einen Großhandel für Korbwaren zu eröffnen. Gerade war sein Kollege damit beschäftigt, auf allen Vieren auf dem verbrannten Boden herumzukriechen und Fotos zu schießen. Er trug dabei einen weißen Einweganzug und mit seiner Korpulenz und den krausen Haaren erinnerte er Lorenz an eine umgekippte Stechpalme, der jemand ein Fruchtfliegennetz um den Stamm gebunden hat. Das wurde dem kriminalistischen Geschick des Mannes allerdings nicht gerecht, von dem Lorenz sich eingestehen musste, dass es weit über seinem eigenen lag und er schämte sich. Aber nur ein wenig. „Schon was gefunden?“ rief er. Von Hohenfels richtete sich auf und kratzte sich gedankenverloren an der Nase, was dieser einen schönen schwarzen Anstrich verlieh. „Brandbeschleuniger. Wer auch immer das angezündet hat, wollte kein Risiko eingehen und hat auch hier ordentlich Sprit vergossen.“ Lorenz überraschte die Erkenntnis nicht, denn so war es auch beim ersten abgebrannten Feld gewesen. Sie brauchten handfestere Indizien, das bloße Wissen um den Einsatz von Brandbeschleuniger brachte sie bei der Ermittlung nicht weiter. Lorenz strich sich unschlüssig mit seiner Hand über die Glatze. Heute war wieder einer dieser Tage, an denen er sich am liebsten im Bett verkrochen und den verdammten Tag verschlafen hätte. Ohne es zu wollen wanderten seine Gedanken zu Franzi und er bedauerte, dass die Feilnbacher nur faden Nutzhanf anbauten. Er fingerte eine Schachtel Sweet Moods aus dem Jackett und stecke sich einen Zigarillo an. Dankbar sog er den süßen Nebel in seine Lungen, wo er sich mit dem Brandrauch des zerstörten Feldes vermischte und mit ihm eine krebsrote Liaison einging. Nun gut. Was hatte er? Einen Bauern, dem zwei Felder Cannabis, frei von jeglichem THC, abgefackelt worden waren. Einen Mob wütender, gesichtsloser Einheimischer, der gegen diese neue Form der Landwirtschaft rebellierte. Und einen weiteren Bauern, dessen Nutzhanffelder noch völlig unbehelligt waren. Er seufzte. „Pack Deine Sachen zusammen, Freddie. Wird Zeit, dass wir diesem Breyer Hieronymus mal auf den Zahn fühlen.“ In just diesem Moment klingelte Lorenz’ Telefon. Mistauch. Er hatte Kerschl und Lallinger vergessen. Als sie den Tatort erreicht hatten, war ihm über Funk mitgeteilt worden, dass er dringend mit seinen beiden Kollegen Kontakt aufnehmen sollte. Das war jetzt fast eine dreiviertel Stunde her. Er nahm den Anruf entgegen und wie erwartet plärrte ein atemloser Kerschl aus der Hörmuschel. Wenn Polizeiobermeister Andreas Kerschl erst einmal in Fahrt kam, war das mit viel Schweiß, Speichel und den unbremsbaren Rollkräften einer sehr kräftigen Lokomotive verbunden. Und der Panik in seiner Stimme nach stand sein Kessel kurz vor der Explosion. „Lenz, wir brauchen Dich hier!“ jammerte er verzweifelt. „Diese Hippies drehen völlig durch!“ Im Hintergrund vernahm Lorenz eine Geräuschkulisse, die ihn an ein Volksfest erinnerte. Er hörte das Klimpern einer Gitarre, singende, klatschende und grölende Menschen. Lorenz seufzte abermals, drückte den Zigarillo in den verbrannten Boden und antwortete: „Haltet durch Jungs, wir sind unterwegs.“

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