parallax background

Die Grenzweltsaga – Ankunft in Sonnenstein

taj-s
Indien
6. Dezember 2016
 


Dies ist ein Auszug aus dem ersten Buch der Grenzweltsaga. Emanuel, Benzidrö und Kahn gelangen auf ihrer Flucht in die sagenumwobene schwebende Tev'ta-Stadt Wolkenstein, wo sie neue Verbündete, aber auch Feinde treffen werden...


D irekt an den Hafen schloss ein bunter Markt an, an dem von edlen Stoffen über lebende Tiere, saftige Früchte und rohes Fleisch alles feilgeboten wurde, was die Luftschiffe herauf und die Händler und Bauern aus dem Hochland der fliegenden Insel herab brachten. Sei es nun dank des bevorstehenden Festes oder weil es in Sonnenstein immer so bunt gemischt zuging, unter den zahlreichen Passanten fielen Benzidrö, Kahn und Emanuel kaum auf. Letzterer zog sich trotzdem seine Kapuze tief ins Gesicht und folgten den beiden anderen durch die wuselnde Menge. In Wolkenstein hielten sich bei weitem nicht nur Tev’ta auf. Emanuel entdeckte eine ganze Reihe im unbekannter Rassen, zum Beispiel viele der fischartigen Geschöpfe, die er schon vom Luftschiff her kannte. Dazwischen bewegten sich aber auch zahlreiche weitere, fremdartige Wesen, manche davon ganz offensichtlich Lasttiere, wie die beiden riesigen, starkbehaarten und an Maulwürfe erinnernden Viecher, die einen großen Wagen hinter sich herzogen. Ein hochgewachsenes, heuschreckenähnliches Ding, mit einem Kopf, so hoch und lang wie ein Baguette, auf dem ein roter Hut mit blauer Feder thronte, bahnte sich unübersehbar seinen Weg durch die Menge. Es gab auch einige dämonenähnliche Erscheinungen die wie Benzidrö aussahen und Kahn stach ebenfalls nicht aus dem kuriosen Zoo heraus, dafür gab es einfach zu viele, nun ja, Hunde. Emanuel gingen langsam die Wörter und Beschreibungen für das, was Augen und Hirn zu verarbeiten versuchten, aus.
„Wo wollen wir hin?“ fragte Emanuel, während sie sich durch die Menge schieben ließen.
„Wir suchen uns eine Kneipe. Denn erstens habe ich Durst, diese verdammte Hitze trägt das ihrige dazu bei, zweitens ist das immer ein guter Ort, um mit der Suche nach etwas zu beginnen. Irgendwie müssen wir herausbekommen, was Luzifer mit Dir vorhatte.“
Und gleich nach dem er das gesagt hatte, griff er blitzschnell an den Gürtel eines eben an ihnen vorbei hastenden Fischwesens und ließ einen kleinen Beutel unter seinen Schwingen verschwinden.
„Und nun können wir uns auch einen ordentlichen Schluck leisten. Den wir uns, wie ich finde, auch verdient haben.“
Er grinste breit und bleckte die gespaltene Zunge. Sie bahnten sich den Weg durch die belebten Gassen, vorbei an zahlreichen Verkaufsständen und Lokalen, Wäschereien, Glasbläsern und Konditoren. Wo auch immer Emanuel hinblickte, breitete sich geschäftiges Treiben und buntes Leben vor ihm aus. Sie kamen an einer kleinen Bühne vorbei, auf der eine Kapelle, deren Musikanten wie Ameisen aussahen, langen, dünnen Metallrohren eine flotte Melodie entlockte. Jongleure bespaßten kleine Kinder, andere verkauften süßen Konfekt und farbenfrohe Fähnchen. Nach und nach bemerkte Emanuel, wie der Tacur zielstrebig den Weg durch immer schummriger werdende Gassen suchte. Aus den Clowns wurden plötzlich Hütchenspieler für die Erwachsenen und aufreizend gekleidete, weibliche Tev’ta kreuzten immer häufiger ihren Weg und warfen Emanuel verführerische Blicke zu. Benzidrö schien einen Sinn für das Verruchte haben, denn bei der Bar, die er schließlich für geeignet befand, richteten sich sämtliche Nackenhärchen Emanuels auf. Trotz des helllichten Tages war es duster in dieser Spelunke, die sich in der Nebengasse einer Nebengasse befand. Immerhin war es hier angenehm kühl. Kahn hatten sie draußen vor der Tür wachen lassen, während sich Benzidrö vergnügt unter die zwielichtigen Gestalten mischte, den verunsicherten Emanuel im Schlepptau. Hier tummelten sich die selben fremdartigen Rassen wir draußen auf den Straßen vor der Tür, nur dass sie hier drinnen allesamt bedeutend finsterer drein blickten. Dichter Tabakrauch wabberte durch die Luft und ein seltsamer, ringförmiger Kasten in einer Ecke des Raumes produzierte eine leise, orientalisch anmutende Melodie, die durch das gedämpfte Gemurmel der Gäste floss. Benzidrö wuchtete sich auf den einzigen freien Barhocker und winkte den Wirt, einen kleinwüchsigen, dafür umso fülligeren Tev’ta heran.
„Guten Tag mein Freund!“ begrüßte Benzidrö ihn fröhlich und klatschte den Beutel mit Münzen, den er dem Fischmenschen entwendet hatte, auf den Tresen. „Einmal eine doppelten Arak für mich, und einen…“ er drehte sich zu Emanuel und blickte ihn fragend an.
„Für mich auch“ erwiderte Emanuel ohne lange nachzudenken. Vielleicht konnte der Alkohol seinen aufgescheuchten Geist beruhigen.
„Gute Wahl“ kommentierte Benzidrö und wandte sich wieder dem Wirt zu. „Also, zwei doppelte Arak, wenn’s recht ist!“
Der Barkeeper rang sich ein Lächeln ab als er sich daran machte, Benzidrös Bestellung auszuführen. Er fischte zwei leere Gläser von irgendwo unter dem Tresen hervor, wischte beide mit seiner fleckigen Schürze aus und goss dann jeweils eine großzügige Portion goldgelber Flüssigkeit aus einer kristallenen Flasche hinein. Diese Falsche hatte schon zuvor Emanuels Aufmerksamkeit erweckt, weil sie dank ihrer edlen Beschaffenheit nicht so recht in dieses Etablissement passen mochte, zu sehr glitzerte und glänzte sie wirkte wie ein Fremdkörper in dieser düsteren Höhle. Deshalb fiel ihm auch auf, dass der Inhalt der Flasche trotz den zwei randvollen Gläsern vor ihnen nicht weniger geworden war. Erinnerungen an Luzifers Haus und das eigenwillige Mahl dort stiegen in ihm hoch und versetzten ihm einen schmerzhaften Stich, als er an den gutmütigen Engel denken musste.
Benzidrö zählte so lange Münzen auf das durchweichte Holz des Tresens, bis der Wirt nickte. Dann nahm der Tacur eines der Gläser und reichte es Emanuel und hob ihm sein eigenes zum Anstoßen hin. „Auf den guten alten Luzifer!“ rief er, etwas lauter als in Emanuels Augen nötig gewesen wäre. Glas klirrte auf Glas und darauf folgte wiederum ein Zischen, als Benzidrö sich den Arak in einem Schluck hinunterkippte. Während Emanuel an seinem Getränk nippte und zusammenzuckte, als der scharfe Alkohol seinen Gaumen passierte, bemerkte er, dass Benzidrös Trinkspruch nicht unbeachtet geblieben war. Verschiedene Augenpaare hatten sich ruckartig in ihre Richtung bewegt, als der Name Luzifer gefallen war. Der Arak verfehlte allerdings auch seine Wirkung nicht. Emanuel hatte seit dem letzten Abend am Lagerfeuer, bevor es zum Angriff der Negrophyle gekommen war, nichts mehr gegessen. Und nachdem er sich nach dem Teleport auch das letzte bisschen Nahrung aus dem Leib gekotzt hatte, hinderte den Alkohol nun nichts mehr daran, Emanuel direkt ins Gehirn zu schießen und dort seine Amtes zu walten und Hirnwindungen zu blockieren. Sofort breitete sich eine wohlige Wärme in ihm aus und malte ihm ein Grinsen ins Gesicht. Benzidrö klopfte ihm von seinem Barhocker aus auf die Schulter und drehte sich dann zum Wirt um um eine weitere Runde zu ordern. In just diesem Moment fror die Zeit ein. Alles um Emanuel herum erstarrte in mitten der Bewegung, in der es sich gerade befunden hatte und ein Flirren durchzog die Luft, als wäre ein Nest mit tausenden winzigster Glühwürmchen direkt unter der Decke der Bar explodiert. Der Zufall wollte es, dass Benzidrös Gesichtsausdruck mit einer selbst für den Tacur ausserordentlich dämlichen Mimik erstarrt war und Emanuel musste unwillkürlich lächeln. Angst verspürte er keine. Nur Verwunderung. Und Neugierde. Auch als sich aus der eingefrorenen Menge eine Gestalt herausschälte und auf Emanuel zuschritt.
Purer Sex. Und dann: Schönheit. Das sendeten Emanuels alkoholgetränkte Synapsen und ließen seine Lendengegend warm werden. Ihre, es handelte sich ganz offensichtlich um ein weibliches Wesen, einladende Hüften wiegten verheißungsvoll bei jedem Schritt. Ihre Züge waren von menschlicher Natur, wie auch ihr Körperbau. Groß und schlank, mit langen Beinen und einem schönen Busen, einem schmalen, feingezeichneten Gesicht mit großen, grünen Augen und einem der Wüstensonne angepassten, dunklen Teint. Von einem Menschen unterschied sie sich jedoch in zweierlei Hinsicht. Zum einen waren da ihre langen, spitzen Ohren, die ihre weit über den Kopf hinaus abstanden und, noch beindruckender, die beiden schimmernden Flügel auf ihrem Rücken, zweitgeteilt wie die einer Libelle und an jene des Luftschiffs erinnernd, mit dem Emanuel nach Sonnenstadt gekommen war. Bekleidet war die feengleiche Erscheinung mit einer weichen, fließenden Pluderhose und einer trägerlosen Bluse, feinen Sandalen und zahllosen Schmuckkettchen überall an Armen und Knöcheln. Das lange, dunkle Haar trug sie zusammengebunden und ein Diadem mit zwei gegeneinander gerichteten Halbkreisen, der eine dunkelrot, der andere golden, zierten ihr Haupt.
Als sie Emanuel erreicht hatte, legte sie im klimpernd ihre Hände auf Emanuels Schultern und setzte sich auf seinen Schoß. Ihr fester Hintern drückte sich gegen Emanuels erwachende Lenden. Sie duftete nach Mandeln und Nelken und blickte Emanuel tief in die Augen als sie leidenschaftlich gurrte: „Ihr beiden kennt also meine guten alten Freund Luzifer? Es freut mich Deine Bekanntschaft machen zu dürfen, ich bin Varana.“
Eine ihrer beiden Hände wanderte nun zu Emanuels rechter Wange und begann, diese zu liebkosen. Die andere Hand senkte sie nach unten.
„Ja, Luzifer ist ein Freund von uns, wir…“ weiter kam er nicht, denn mit einer blitzschnellen Bewegung zog Varana einen krummen, kurzen und sehr scharf aussehenden Dolch aus einem verborgenem Holster unter ihre Pluderhose und drückte ihn an Emanuels Kehle.
„Was wollt Ihr von ihm?“ zischte sie und als Emanuel panikerfüllt zum Sprechen ansetzte, drückte sie das Messer noch ein wenig fester in seine Haut, so dass Emanuel einen warmen Strom seine Brust hinunterfließen spürte. „Versuch gar nicht erst, mich anzulügen“ schob die Fee, oder was auch immer sie sein mochte, hinterher. „Das ist nicht so leicht zu erklären…“ stammelte Emanuel. Diese… Frau würde ihn umbringen wenn ihr nicht gefiel was er zu sagen hatte, darin war er sich sicher.
„Kann man Dich denn keine Sekunde aus den Augen lassen?“ In jenem Moment, als Benzidrö dies sagte, kam die Zeit wieder ins Fließen und plötzlich befanden sie sich inmitten des geschäftigen Treibens der Bar. Nur das jetzt keiner von den anderen Notiz von ihnen nahm. Entweder kamen Situationen wie diese, in der zwei Kontrahenten einen Konflikt auf die altmodische Weise austrugen, viel zu oft vor um für den angemessenen Aufruhr zu sorgen oder, und der Gedanke war nicht minder unangenehm, die anderen Gäste fürchteten sich vor Varana und sahen lieber dezent in eine andere Richtung während sie ihre Probleme löste. Tatsächlich stimmte beides, das sollte Emanuel zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht erfahren.
„Wir müssen dringend an Deiner Ausbildung weiterarbeiten, es kann doch nicht sein, dass Du hier so mir nichts dir nichts allem verfällst, was Titten hat. Erst eine Negrophyle, jetzt eine Didane.“
„Schweig, Dämonengesocks, oder ich schlitze Deinem Freund hier die Kehle auf“ zischte Varana.
„Das würde ich an Deine Stelle nicht tun, denn damit würdest Du den guten alten Luzifer sehr, sehr unglücklich machen“ entgegnete Benzidrö gelassen. Hinter ihnen kam es plötzlich zu einem Tumult in der Bar und vereinzelt wurden Rufe, die meisten davon klangen nach Angst, laut.
„Und er würde es auch nicht mögen“ ergänzte der Tacur und bedeutete der Didane mit einem Kopfnicken, sich umzudrehen. Misstrauisch spähte diese über ihre Schulter ohne das Messer an Emanuels Kehle auch nur einen Millimeter zu verrücken und zuckte zusammen. Denn dort hatte sich Kahn aufgebaut. Er gab keinen Laut von sich, war vollkommen still und zum Sprung bereit, in seinen Augen die selbe schwarze Boshaftigkeit, wie sie damals Emanuel in Luzifers Haus begegnet war.
„Luzifers Höllenhund!“ flüsterte Varana entgeistert und ließ den Dolch in in der selben, schnellen, fließenden Bewegung unter ihrer Hose verschwinden. „Was ist mit Luzifer geschehen?“
Kahn entspannte sich sichtlich und blickte Emanuel freudig hechelnd an.
„Können wir uns jetzt also wie vernünftige Leute unterhalten, ja?“ ätzte Benzidrö.
„Ja. Aber nicht hier auf dem Präsentierteller, kommt mit“ antwortete Varana und führte sie in den hinteren Teil der Bar, wo sie einen Vorhang zur Seite strich, hinter dem sich ein Separee befand. Ganz offensichtlich war sein ursprünglicher Zweck nicht jener eines abgetrennten Besprechungszimmers, davon kündetet die silberne Tanzstange, die zwischen Boden und Decke montiert war. Aber der Raum bot allen dreien inklusive Kahn genug Platz und Sitzgelegenheiten.
„Was hast Du mit mir gemacht? Wie konntest Du die Zeit anhalten?“ platzte es aus Emanuel heraus, während er seine Hand auf den blutenden Schnitt an seinem Hals drückte.
„Didanen sind Zeitformer. Eigentlich ein ziemliche simpler Trick, wenn man weiß wie es geht, sieh her:“ Benzidrö warf seinen Geldbeutel in die Luft und wie durch Zauberhand hielt er mitten im Fall an und schwebte, umgeben von dem selben bunten Staub, den Emanuel zuvor in der Bar gesehen hatte. „Die Zeit hält nicht an, nicht im eigentlichen Sinne. Aber man kann in ihre eine Blase bilden, um die sie dann herum fließt. Alles, was sich in der Blase befinden, ist quasi eingefroren, während für alles ausserhalb nur ein Wimpernschlag vergeht. Für den Geldbeutel läuft die Zeit normal weiter, für uns hat sie gerade angehalten.“
Dann fiel der Geldbeutel klirrend in Benzidrös Klaue zurück und das Glühen war verschwunden. „Beeindruckend“ kommentierte Varana und es klang nicht ironisch. „Wieso kann, was bist Du, ein Tacur? Wieso kann ein Tacur die Zeit formen? Wer hat Dir das beigebracht?“
„Wie wäre es, wenn Du uns zunächst mal ein paar Fragen beantwortet nach Deinem Auftritt eben?“ erwiderte Benzidrö.
„Du hast recht, Dämon“ antwortete Varana. „Manchmal bin ich vielleicht ein wenig zu, nun ja, impulsiv. Aber dies sind gefährliche Zeiten, ich muss äußerste Vorsicht walten lassen. Es tut mir leid, mein Freund“ sagte sie an Emanuel gewandt, dann öffnetet sie eine kleine Kanüle, die an einer ihrer zahlreichen Ketten hing, öffnete sie, träufelte sich ein paar Tropfen auf den Finger, schob sanft Emanuels Hand beiseite und strich die Flüssigkeit auf die Wunde an seinem Hals. Der Schmerz ließ augenblicklich nach und als Emanuel vorsichtig nach dem Schnitt tastete, spürte er nurmehr weiche, unverletzte Haut.
„Danke…“ murmelte Emanuel benommen.
„Ich bitte Euch um Entschuldigung“ sagte die Didane. „Luzifer ist ein alter, nun, sagen wir, Geschäftspartner. Er hat meine Dienste ein paar Mal in Anspruch genommen.“
„Eure Dienste?“ echote Emanuel und merkte, wie ihm die rote Farbe ins Gesicht schoß. Nun, eigentlich konnte er es dem Engel nicht verdenken, Varana war ein wunderschönes, begehrenswertes Wesen…
„Du bist eine Assassinin, stimmt’s?“ platze Benzidrö in Emanuels schmutzige Gedanken.
„Ich mag die Bezeichnung Problemlöserin lieber. Wie Dir vielleicht aufgefallen ist, ist mein Talent von gewissem Vorteil wenn es darum geht, an Informationen zu gelangen. Sei es über den offensichtlichen Weg…“ diese Worte unterstrich Varana mit einer Handbewegung, die auf die Vorzüge ihrer Erscheinung hinwiesen, „…oder auf dem unauffälligen.“
„Das Zeitformen“ tippte Emanuel.
„Genau“ antwortete die Fee und bedachte Emanuel mit einem undefinierbarem Blick. „Luzifer war sehr interessiert an Informationen über die Vorgänge in Sonnenstein. Um auch im Exil auf dem Laufenden zu sein.“
„Du sprachst von gefährlichen Zeiten“ sagte Benzidrö. „Was genau meinst Du damit?“
„Erzählt mir zunächst, wo Luzifer ist. Warum begleitet er Euch nicht?“
Und dann berichteten Benzidrö und Emanuel, wie sich kennengelernt hatten, von ihrer Reise zu Luzifer und seinem Plan, Emanuel zu den Ma’aheri zu bringen um seine Theorie zu überprüfen, dass es sich bei ihm wirklich um den Weltenwanderer handelte. Sie erzählten auch von dem Kampf mit Nakriel, dessen unbekannten Ausgang und ihrer überstürzten Flucht. Varana hörte sich all das an ohne sie zu unterbrechen und schwieg dann lange. Schließlich murmelte sie:
„Die Ma’aheri also. Luzifer glaubt wirklich an dieses Ammenmärchen…“
„Ammenmärchen? Gibt es die Ma’aheri etwa nicht?“ fragte Emanuel und spürte erneut Hoffnungslosigkeit in sich aufsteigen.
„Das weiß niemand so genau. Der letzte Weltenwanderer erschien hier vor vielen tausend Jahren, so erzählt man sich. Die Ma’aheri sind, wenn überhaupt, immer nur eine Randnotiz in den Geschichten und Legenden gewesen. Wenn es sie je gab und vielleicht auch noch gibt, so weiß niemand, wo sie sich befinden, was sie sind und was genau sie tun“ antwortete die Fee. „Ich habe von ihnen auch nur gehört, weil Luzifer mich einmal bat, diesbezüglich die Ohren aufzusperren wenn ich irgendwo etwas aufschnappen sollte. Ausser Geschichten für kleine Kinder ist mir dazu aber nie etwas untergekommen.“
„Ich bin mir sicher, dass der alte Fuchs noch ein Ass im Ärmel hatte. Das entspricht einfach nicht seiner Art, nur drauf loszumarschieren ohne einen Hintergedanken zu haben“ sinnierte Benzidrö.
„Irgendjemand muss etwas über diese ominösen Weisen wissen“ sagte Emanuel. „Von irgendwoher müssen ja die Geschichten kommen. Gibt es in Sonnenstein vielleicht, nun, eine Bibliothek oder dergleichen?“
„Sogar eine gut sortierte und recht berühmte!“ antwortete Varana. „Gut möglich, dass Luzifer hier mit seiner Recherche beginnen wollte. Zumindest hätte ich das an seiner Stelle getan.“
„Na dann wissen wir doch, was zu tun ist!“ rief Emanuel, der dankbar nach dem verheißungsvollen Grashalm griff. Varana kratzte sich gedankenverloren an ihrem hübschen Kinn und antwortete schließlich:
„Das ist nicht so leicht wie Du Dir das jetzt vorstellst. Nur Tev’ta ist der Zutritt zur Bibliothek der Sonnenweisen erlaubt. Alle anderen müssen zunächst einen Antrag stellen und soweit ich unterrichtet bin, kostet dieser zum einen ein ordentliches Sümmchen Münzen, zum anderen dauert die Bearbeitung mehrere Tage. Und die Wartezeit dürfte sich wegen des Prahama-Festes noch verlängern… Habt Ihr schon eine Bleibe in der Stadt?“
Benzidrö schüttelte den Kopf: „Nein, aber wir freuen uns über Empfehlungen, wenn’s recht ist.“
Die Didane erhob sich.
„Na dann folgt mir!“ sagte sie. „Ich bringe Euch in der Herberge eines... Freundes unter. Dann könnt Ihr Euch um den Antrag in der Bibliothek der Sonnenweisen kümmern und ich höre mich mal um ob ich etwas über das Schicksal Luzifers erfahre.“

Die Grenzweltsaga ist mein neues Buchprojekt. Die Saga erzählt die Geschichte der Grenzwelt, einer Welt in der alle spirituellen Thesen, welche die Menschen je ersonnen haben, Naturgesetze sind. Einer Welt, in der Engel und Dämonen leben und allesamt ganz eigene Ziele und Pläne verfolgen. Und nicht alle sind den Menschen gewogen. Emanuel ist einer der beiden Protagonistin dieser Geschichte und gerät gleich zu Beginn zwischen die Fronten eines Krieges, dessen Auswirkungen auf die Menschheit er anfangs nicht einmal erahnen kann...
 
Mardermolch
Mardermolch
Dieses Weblog ist dem Mardermolch gewidmet, jener oftmals unterschätzten und gerne vernachlässigten Spezies der Satire, des Spaßes, wider der Ignoranz und der Dummheit und allgemein für eine bessere Welt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

//]]>