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Chris Columbus

18. April 2013
Ein Schneeballsystem.
12. April 2013
Die Wiesn, man kennt das.
5. September 2013
 


A n einem Morgen im März 2012 lief bei mir Büro wie so oft Bayern 1. Ich habe da ein passives Hörverhalten entwickelt, sprich, die meiste Zeit konsumiere ich das Gedudel auf Durchzug. Diese angenehme Beiläufigkeit hat dann an jenem Morgen ein Lied unterbrochen, in dem ein Sänger namens Chris Columbus in bayrischer Mundart davon erzählte, was er eigentlich alles mit seinem Leben anstelle wolle, es aber einfach nicht tue. Spätestens bei der Passage

"Eigentlich soit i’s Leb’n leb’n,
und eigentlich von der Welt wos seng,
und eigentlich bin i ned gern alloa,
und eigentlich geht’s mia gar ned guad,
weil mir no sauber’s Kreiz weh duad,
und eigentlich soid i’s wissen,
eigentlich soidad i wos doa."

hatte er mich dann. Ich hab' mir dann auch gleich die CD Unterwegs zu mir gekauft und fand die ausserordentlich formidabel. Ich war damals noch Single und wie halt das eine immer zum anderen kommt, lernte ich in dieser Zeit auch Mia kennen, eines meiner Fotomodelle. Im Gespräch mit ihr erfuhr ich, dass wir beide die Musik dieses Chris Columbus ganz dufte finden und wie es der Zufall eben so wollte, spielte er die Tage in Bad Tölz im Ratskeller. Also sind wir da beide hin und erlebten ein sehr kuscheliges, aber schönes Konzert. Wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, waren das damals wohl keine 50  Besucher. Wir haben uns dann nach dem Auftritt noch ein paar Minuten mit Jürgen, so heißt der Mann hinter dem Pseudonym, unterhalten und zumindest Mia ist mit ihm danach über Facebook in Kontakt geblieben. Sie war es dann auch, die mich als Fotografen für Columbus' zweites Album "Augenblick" ins Spiel gebracht hat.



Wer mich besser kennt weiß, dass ich es strikt ablehne, etwas zu fotografieren was ich nicht fotografieren kann und dazu gehören neben Kleinkindern und Bäumen eben auch Männer. Es bedurfte also einiges an Überredungskunst seitens Mia und Jürgen, bis sie mich endlich so weit hatten, dass ich einem Shooting zugestimmt habe. Jürgen hatte sich in eines meiner Motive verliebt, es handelte sich dabei um das Foto von Moni, wie sie im Reischenharter See ihre nassen Haare nach hinten schleudert. Diese Pose wollte er als Titelbild für sein neues Album. Also trafen wir ihn im August kurz vor meinem Geburtstag am Reischenharter See. Ich hatte  mittlerweile Claudia kennen und lieben gelernt und als Assistentin dabei und die Chemie zwischen uns dreien hatte sofort gepasst. Jürgen erwies sich auch privat als griabiger Mensch, der mir fototechnisch bedingungslos vertraute und ohne mit der Wimper zu zucken in den nur teilweise angewärmten See stieg, wo er mit Hingabe ein ums andere mal seine nassen Haare nach hinten schleuderte bis ich schließlich zufrieden war. Und weil die Abendsonne in einem so schönem Licht schien, dass es eine Sünde gewesen wäre, sie nicht für weitere Fotos zu verwenden, fuhren wir noch auf den Eckersberg zu meiner Lieblings-Location. Lustigerweise entstanden hier dann die Fotos, die wir auch für's Album verwendet haben, das passable Wasserfoto hat es nur auf die Website geschafft.

Das Motiv, das wir fürs Album verwendet haben.

Das Motiv, das wir fürs Album verwendet haben.

Das nicht verwendete Wasserfoto vom Reischenharter See

Das nicht verwendete Wasserfoto vom Reischenharter See

Im Anschluss an das Shooting sind wir in's Reden gekommen und haben mehr (Claudia und ich) oder weniger (Jürgen) überrascht festgestellt, wie ähnlich sich sie Wellen sind, auf denen wir alle surfen. Wir erfuhren an jenem Abend, dass Jürgen neben seiner Passion als Sänger auch noch ein Yoga-Studio im Rosenheimer Quest-Club hat und regelmäßig Satsang-Sitzungen durchführt, bei beidem haben wir ihn dann anschließend besucht. Doch es sollte noch nicht das Ende vom Projekt "Chris Columbus" sein. Denn nach Sichtung der Shooting-Ergebnisse bat Jürgen mich, auch das Artwork für die neue CD zu erstellen. Nun liegen meine besten Designer-Zeiten ja bereits etwas zurück aber wieder sagte ich zu und so entstand in mehrwöchiger Arbeit Plakat und Artwork für das neue Album und als I-Tüpflechen dann noch die neue Homepage. Vorläufiger Höhepunkt der Zusammenarbeit war das Konzert am vergangenen Samstag im Kesselhaus in Kolbermoor, das ich fotografiert habe. Wahrscheinlich fand ich das deshalb so befriedigend, weil ich auch den Kontrast, wie es nur ein knappes Jahr zuvor im Ratskeller in Tölz ausgesehen hat, vor Augen habe. Das Kesselhaus war ausverkauft und aus den 50 waren 400 Besucher geworden.

Faszinierende Stimmung im Kesselhaus.

Faszinierende Stimmung im Kesselhaus.

Chris Columbus und Julia Schmarsel

Chris Columbus und Julia Schmarsel

Chris Columbus und Band

Chris Columbus und Band

Chris Columbus und Werner Pfeffer

Chris Columbus und Werner Pfeiffer

Das neue Album, das ich fast von Anfang an mit begleitet habe (ein paar Monate lang lief sogar die ungemischte Erstaufnahme bei mir im Auto), funktioniert auch live prächtig und Chris Columbus und seine Band um Schlagzeuger Josy Friebel, Basisstin Julia Hornung und Gitarrist Werner Pfeffer schafften es mühelos, das Kesselhaus in ihren Bann zu schlagen[1. Der kurze Moment, den mich Jürgen auf die Bühne geholt hat, reichte mir aber vollkommen aus um mich in meiner Entscheidung zu bekräftigen, dass ich doch lieber hinter Kameras und Kulissen agiere]. Das Programm umfasste das ganze Spektrum ihres bisherigen Schaffens. Sie nahmen uns mit auf eine Reise vom Baggerweiher bis nach Afrika, über tiefe Melancholie bis hin zu überschäumender Freude. Und all das wirkte wie ein einziger Fluß und man glaubt Chris Columbus in diesen Momenten gern, wenn er in Interviews erzählt, dass er seine Lieder an einem Stück komponiert, so wie sie aus ihm herausfließen. Auch musikalisch hat sich etwas getan, neben der stets präsenten, kraftvollen Gitarre(n) mischten sich vereinzelt Elemente aus neuen Country-, Percussion- und Pop-Anleihen, die man so noch nicht bei Columbus gehört hat. Und ebenfalls neu, Columbus sang nicht mehr alleine! Die beiden Songs „Ohne Di“ und „Wiedaseng“ waren famose Duette zusammen mit der wunderbaren Julia Schmarsel und wenn die zusammen mit Jürgen auf der Bühne stand und sang, hat's im Saal geknistert...

Natürlich bin ich allein durch unsere Vorgeschichte vorbelastet und parteiisch wenn ich geneigten Interessenten Chris Columbus, egal ob auf CD oder live, wärmstens empfehle.
Wer noch einen Schritt tiefer in diese Musik einsteigen möchte, der möge mal in sich hineinspüren und prüfen, ob er sich nicht für Jürgens Satsang begeistern kann. Satsang ist schwer zu beschreiben, auch ich habe erst hineingeschnuppert, wurde aber zutiefst berührt. Am Besten gefällt mir die Beschreibung auf der cometrue-Website: "Satsang ist eine Begegnung in Wahrheit. Das Ende der Suche. Das Finden." Das beschreibt es gut. Und ein netter Nebeneffekt ist jener, dass die meisten Columbus-Lieder danach eine hochspannende, zusätzliche Bedeutungsebene erhalten.

In diesem Sinne: Wir san soweid.

cc5
Mardermolch
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Dieses Weblog ist dem Mardermolch gewidmet, jener oftmals unterschätzten und gerne vernachlässigten Spezies der Satire, des Spaßes, wider der Ignoranz und der Dummheit und allgemein für eine bessere Welt.

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