
Früher oder später kommt für jeden Mann die Zeit, ab der seine Freunde beginnen, zu heiraten. Ich wurde mit diesem naturgemäß unvermeidlichem Umstand bislang noch nicht konfrontiert, nun schickt sich jedoch Manfred an, den Hafen der Ehe vom Pier aus anzusehen und da muss das Junggesellendasein natürlich würdig verabschiedet werden.
Würdig heißt in diesem Fall allerdings nicht, albern verkleidet im Vollrausch durch eine Fußgängerzone gescheucht zu werden, sondern in ungesunder Frühe (mit dem Rausch vom Vorabend und der Miss-Herbstfest-Kür noch im Kopf) ein Auto gen Gardasee zu besteigen um sich auf die kurze, aber beschwerliche Reise über die Alpen ins Südland zu machen, dort hin, wo der Sommer seinen Namen auch zu Recht trägt.
Erstes Ziel war das Gardaland, das wie die kleine, hübsche Schwester des Europaparks daherkommt: Ein wirklich schöner Freizeitpark mit ordentlichen Achterbahnen (Raptor! Magic Mountain! Blue Tornado!) und angenehmer Atmosphäre, letzteres ist vor allem der unglaublichen Liebe zum Detail bei den Attraktionen und den top gepflegten Anlagen zu verdanken. Hätte ich so in Italien nicht erwartet. Da können sich die deutschen Parks eine dicke Scheibe abschneiden. Was uns auch zu Gute kam, war das ungewohnt schöne Wetter, das zum einen darin resultierte, dass sich die Besucheranzahl in Grenzen hielt und sich die meisten Anwesenden um die Wasserattraktionen scharten, während wir ausgiebig Achterbahnen reiten konnten, zum anderen liefen vor allem die zahlreichen jungen Italienerinnen nur spärlich bekleidet durch den Park, eine ideale Einstimmung für den Abend.
Nach einem kurzen Abstecher in unser feines Hotel in Lazise (herzlichen Dank an die bezaubernde Julia!) und Abkühlung im Pool ging’s per Taxi nach Bardolino zur Pizzeria La Strambata. Die ist zum einen für ihre Meter-Pizzen bekannt, zum anderen für ihre hübschen jungen Camerieras in knapper Kleidung. Der Laden befindet sich im Herzen der Ortschaft unweit der Strandpromenade, das Essen ist reichlich und schmeckt überdurchschnittlich gut, eine der süßen Bedienungen hätte ich sofort geheiratet wenn wir nicht weiter gezogen wären und der vollfruchtige Hauswein fließt nur allzu angenehm die durstige Kehle hinab.
Die Südländer sind natürlich alle nachtaktiv und so brodelt auch zu späterer Stunde das Leben in den Gassen und an der Seepromenade. Mit einer Flasche Wein am Pier sitzend, die Füße über dem See baumelnd den vorbei schwadronierenden Menschen zusehend, schon lange war ich dem Gefühl von Urlaub nicht mehr so nahe. Der Standardspruch „Parla l’italiano, l’inglese o tedesco?“ funktioniert mit wechselndem Erfolg, vor allem die Italienerinnen waren mir1 eine Herausforderung, mein Bröckchen-Italienisch schien bei den Schickimicki-Strandmietzen, die in Scharen in knappen Kleidchen und schwindelerregenden High-Heels vorbei stolzierten, weniger gut anzukommen, es fehlte mir offenbar der gut sichtbare Yacht-Schlüssel um den Hals. Süffige Cocktails lösten dann die Zungen einiger deutscher Camperinnen, die uns in den Orange Disco Club führten, wo gen Mitternacht die Party gerade erst einmal begonnen hatte. Kann man sich durchaus geben, auch wenn sich dort vorzugsweise eher junges Publikum einfindet. Auch zu empfehlen ist der Hollywood DanceClub oben in den Hügeln Bardolinos. Eine zur Partylocation umfunktionierte Villa mit Blick auf den See, auf mehreren Ebenen, inklusive Pool, besucht überwiegend von der einheimischen Upperclass, was sich vor allem in den Preisen widerspiegelt, aber (wahrscheinlich gerade deshalb) das Flair amerikanischer College-Partys aus Klischeefilmen einfängt.
Nach einer wie zu erwarten viel zu kurzen Nacht erfüllten wir unsere Pflicht indem wir dem Largo di Garda zumindest einen Besuch abstatteten. Aber entweder ist dieser zu groß geratene Fischweiher in Lazise besonders häßlich oder wir haben unsere Naturburschen-Qualitäten unterschätzt. Was die Camper nicht zu stören schien, hielt sogar den sonst nicht zimperlichen Erwin ab, in die stinkende grüne Brühe zu steigen. Und darum saßen wir 10 Minuten später schon wieder im Auto, dieses mal mit Ziel Canevaworld, einem Wassererlebnispark nahe Lazise. Kann man sich vorstellen wie ein Outdoor-Galaxy, genau wie das Gardaland in unerwartet schöner und gepflegter Location. Hier gibt’s auch eine Wasserrutsche, gegen die jede Achterbahn kaum mehr als ein luschiger Kindergeburtstag sein kann: Stukas. Aus 32 Metern Höhe geht es im nahezu freien Fall nach unten. Und seit langem habe ich bei einer Attraktion neben dem puren Nervenkitzel auch wieder Angst verspürt. Wer weitere Details benötigt, frägt am besten Markus, was geschieht, wenn man es nicht schafft, beim Rutschen die Beine zu überkreuzeuen. Ähnlich kriminell ist Twin Peaks, die startet vom selben Turm, nicht ganz so hoch, dafür auf einem Zweisitzer-Schlauchboot, und bietet mindestens so viel ‘Airtime’ wie eine Achterbahn vom Schlage einer Silver Star. Nur ohne Haltebügel.
Der Zusatzkick kommt durch den Brummschädel der durchzechten Nacht übrigens von ganz allen.
Sollte ich auch irgendwann einmal in ferner Zukunft jenen mir nach wie vor recht suspekt erscheinenden Hafen ansteuern, ich möchte jedenfalls meine letzten Tage in Freiheit auch so verbringen wie an diesem viel zu kurzem Wochenende mit meinen Freunden. Es gibt auch einen Film, aber den muss ich erst schneiden, zensieren, auf der Hochzeit zeigen, wieder zensieren, und dann sehen wir, ob noch was übrig bleibt damit ich es hier vorführen kann. Falls nicht, dann haben wir uns lediglich an unseren Schwur beim ersten Glas Wein gehalten: Was am Gardasee passiert ist, bleibt am Gardasee.

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- Für eventuell mitlesende Freundesfreundinnen: Natürlich habe als einziger Single der Gruppe nur ich mich auf diese Weise verlustiert. ↩

war ein super duper Wochenende voller Action.
So muss das!
Und ja, Caneva-World ist schon eine Attraktion für sich!
Du warst da schon und sagst es erst jetzt?!
Anno 2004…
Muss man heiraten, um so einen Junggesellenabschied zu machen?
Man könnte das auch handhaben wie Alice im Wunderland. Ich lade demnächst zu meinem Junggesellinnen-nicht-Abschied ein.
Und ich hab Blut und Wasser geschwitzt als ich die Jungs dazu überredet habe, weil ich beforchten hatte dass des ein rechter Scheiss werden würde…
Agnes, ich feiere gerne mit!
Was hast du beforchten? Das der Ausflug ein Scheiß wird? Da hatte ich keine Sorge. Hab mich noch nie gelangweilt wenn ich mit Dir unterwegs war!!
Moiiiii! Wenn Du nicht die Nicole heiraten würdest, dann würde ich um Dich freien.
Mooiii? Übelzt sÜß? geHt DeZ jeTzt lOs?
Oida!
Einladungen erfolgen schriftlich.
für euch männer muß das heiraten schon fürchterlich sein, was?
aber wir frauen müßten uns eigentlich mehr fürchten,
denn wenn das erste kind da ist, wer muß den dann zuhause bleiben?
wir können dann nicht mehr auf tour gehen!!!
Heiraten finden nicht ausschließlich Männer beängstigend.
Es gibt Menschen, zu denen passt das Heiraten, weil es entweder der nächste logische Schritt im Leben oder schlicht ein Lebenstraum ist. Muss man nicht verstehen oder hinterfragen, sondern einfach als gegeben hinnehmen.
Dann gibt es da noch jene wie, ich sag jetzt mal Agnes oder mich, die flummin noch herum. Wenn einer oder eine kommt, der oder die passt, dann wird eben geheiratet wenn es eine der beiden oder beide Parteien glücklich macht, wenn aber nicht, und das ist der Unterschied, dann bricht auch keine Welt zusammen. Heirat ist da eben dann keine Voraussetzung für ewige Glückseligkeit.
Amen.
7:03 Uhr? Um die Uhrzeit wär ich auch noch schlecht gelaunt.
was heißt da schlecht gelaunt???
ihr männer tut ja so als ob ihr sterben müßtet wenn man verheiratet ist!!