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Überlegungen über Fußnägel.

Mardermolch’sches Institut zur Bekämpfung des Sprachverfalls
7. Dezember 2011
Internetbarbaren wie wir.
9. Februar 2012
 

W äre Fernsehen real, würde ich mit meiner Traumfrau über das Rosenheimer Herbstfest reiten, vor dem Riesenrad halten, galant in die Hände klatschen, das Riesenrad damit erleuchten und das Mädel dann in einer der Kabinen vernaschen. Sie würde dabei Dessous wie Micaela Schäfer tragen, diese waffenschein-pflichtigen Dinger, die es in der Eis.de-Ramschabteilung gibt und außerdem würde sie ausschließlich nackt durch meine Wohnung laufen.

Aber, ach, das Fernsehen weiß nichts von den alltäglichen Problemen eines Single-Mannes. Dass der Elefant unanständig teuer im Unterhalt ist. Dass man mit Sicherheit Schwierigkeiten bekommt, wenn man nachts auf der Loretto-Wiese klatschend vor dem dunklem Riesenrad steht. Dass 9 von 10 Frauen einen mitsamt der Eis.de-Dessous vor die Tür setzen (außer man(n) ist Fotograf). Weil sie sich (gewöhnlich grundlos) für zu klein, zu unansehnlich, zu winterspeckig, zu orangenhäutig halten.
Niemand traut sich aussprechen, dass eigentlich jeder gerne Sex hätte, aber es so verdammt schwer ist, es einfach zu tun. Anders ist beispielsweise nicht zu erklären, warum drei Männer nach mit nicht unerheblichem Kapitaleinsatz erarbeitetem Rausch lieber vor dem Rosenheimer Polizeipräsidium um 4 Uhr Früh eine Schneeballschlacht veranstalten und Teile der verbliebenen Nacht in einer Ausnüchterungszelle verbringen statt am Busen einer Frau.
Der Kapitalaufwand, denn man(n) in der Regel benötigt, um frau durch Dates und Incentives (Alkohol, Drogen, Fotoshootings etc.) in die Kiste zu bekommen, steht in keiner Relation zu einem profanem Bordell-Besuch. Nur, bei letzterem gibt’s für das Geld garantiert das was auf der Speisekarte steht. Und dann die seltsamen Probleme, die sich nach und nach herauskristallisieren, von denen man es einst nie für möglich gehalten hätte, dass man sie mal haben würde! Habt Ihr Euch mal die Frage gestellt, ob sich eine Single-Frau im Winter die Fußnägel lackiert? Ja? Nein? Das hat mich gestern fast eine Stunde lang beschäftigt, als ein unanständig süßes Mädel in halb durchsichtiger Leggins, engem Top und einem frechem Pony direkt vor meiner Nase mit Hingabe allerlei Yoga-Übungen durchexerzierte. Sie hatte schwarzlackierte Fußnägel. Meine testosteron-geschwängerte Überlegung war ungefähr diese: Wenn die nun Single wär', würde sie sich sicher nicht die Nägel lackieren, weil das im Winter ja niemand sähe, weil sie keine offenen Schuhe tragen kann wegen der Kälte und sie auch nicht ahnen konnte, dass ich heute mit ihr im Yoga sein würde. Also muss sie vergeben sein. Wechseln wir rasch den Schauplatz, bevor Ihr mit dem Denken anfangt. Heute in der Eukalyptus-Sauna in der Aiblinger Therme: Ein vergleichbar hübsches Mädel sitzt mir gegenüber in der Ecke. Die Beine im Damensitz angezogen, die Arme links und rechts aufgelegt, hat sie mir ihre vollen Brüste präsentiert. Und, jetzt kommt's, auch sie hatte schwarzlackierte Fußnägel. Standhaft wie ich bin, habe ich natürlich nicht die passenden Eier gehabt, sie anzusprechen und ein halbe Stunde später schlendert sie Arm in Arm mit einem Kerl durch die Sauna. Eigentlich wäre meine Theorie ja damit bewiesen, hätte nicht eine durchtriebene und frischgebackene Single-Freundin angemerkt, dass nach meiner Überlegung sie sich ja dann auch nicht mehr, zum Beispiel, waschen müsse, weil ihr ja nun niemand mehr zu nahe kommen würde. Und hat damit alles nur noch komplizierter gemacht. Ich hatte mich schon meiner todsicheren neuen Masche erfreut, jeder Frau einfach zunächst die Schuhe auszuziehen, um zu überprüfen, ob die denn schon vergeben ist. Aber was soll's. Solange ich es mir noch leisten kann, nicht ins Bordell gehen zu müssen, werde ich keine Kosten und Mühen scheuen, mit meinen Leidensgenossen da draußen weitere Forschungsergebnisse zu teilen um unsere ohnehin schon beachtliche Lebensqualität als Singles noch weiter zu steigern.

Was geht los da rein. Wir verstehen uns.
Das Leben ist eben kein Ponyhof. Sondern ein Stutenstall.

Mardermolch
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Dieses Weblog ist dem Mardermolch gewidmet, jener oftmals unterschätzten und gerne vernachlässigten Spezies der Satire, des Spaßes, wider der Ignoranz und der Dummheit und allgemein für eine bessere Welt.

9 Comments

  1. Agnes sagt:

    Endlich, ich dachte schon er kommt nie mehr.
    Zum Thema Fussnägel:
    Wenn eine Frau sich die Fußnägel im Winter lackiert, ist sie Single, oder frisch in einer Beziehung.
    Ich traue mich sogar zu sagen, dass die Farbe immer heller wird, je länger die Beziehung anhält.

  2. Agnes sagt:

    Noch was: wer sagt dass die bemalten Singlefüsse tatsächlich seltener ans Licht kommen, als die Beziehungszehen?

  3. Andi sagt:

    Die ganze krude Logik hinter meinen Überlegungen wurde mir erst bewusst, als das Blut wieder nach oben gewandert ist… ;- )

  4. Claudia sagt:

    Schön, dass Dein Sarkasmus wieder da ist! :-)

    Und: Agnes hat recht! V.a. haben Frauen mit lackierten Fußnägeln im Winter keine kleinen Kinder.

  5. Andi sagt:

    Also muss ich ihnen ja doch auf die Füße schauen!

  6. Claudia sagt:

    Ich würde sagen, man darf kein Detail an einer Frau auslassen.
    Aber die sicherste Methode ist immer noch: rede mit ihr ;-)

  7. Andi sagt:

    Das ist mir zu retro.

  8. Claudia sagt:

    P.S.: Es gibt auch Frauen, die lackieren sich nie die Fußnägel – egal ob Single oder nicht, ob Sommer oder Winter.

  9. Andi sagt:

    Die haben aber auch so haarige Beine, dass sie dich auch im Winter die Hosen sparen können. Hab ich gehört.

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