
Eine meiner liebsten Freizeitbeschäftigungen ist das Erweitern und Sichten meiner mittlerweile recht beachtlichen Film-Sammlung. Ich hege dabei nicht den Anspruch, nur Perlen und Klassiker aufzunehmen. Neben unbestreitbaren Meister- und stilbildenden Werken befindet sich darunter auch sicherlich viel Schund, Kurioses und natürlich Bollywoodfilme. Kaum widerstehen kann ich, ich hab’s glaub ich schon mal erwähnt, wenn mir eine besondere Ausgabe eines Films über den Weg läuft, Special Editions sind mir das höchste. Das geht dann schon einmal so weit, dass ich ausgesprochen schöne Boxen wie die kompletten 24-Staffeln nur zur Zierde herumstehen habe, wohlwissend, dass ich sie mir nie bis zum Ende ansehen werde.
Der ein oder andere, eigentlich unverzichtbare, Klassiker fehlt aber noch in meiner Sammlung. Bis heute habe ich beispielsweise keine Version von Kill Bill im Regal, weil ich weiß, dass es davon eine extrem seltene Collector’s Edition gibt. Ob sie aber 200 € wert ist? Ich weiß es nicht. Vielleicht erscheint irgendwann ja noch der von Tarantino angekündigte Recut, der resultiert dann sicher auch in einer schönen neuen Sammler-Version der Filme.
Ähnlich verhält es sich mit der Bluray-Neuauflage von Zurück in die Zukunft, diese blöde DeLorean-Anniversary-Ausgabe hätte ich damals vor 2 Jahren für 60 € bekommen, heute kostet sie unglaubliche 700 €. Das wurmt mich und seither jage ich ihr bei Ebay und Co., noch erfolglos, hinterher. Ich könnte jetzt noch ein paar weitere aufzählen, wollte aber eigentlich etwas über Sieben schreiben.
Auch Sieben hat seinen Weg irgendwann einmal als sogenannte Platinum Edition in mein Regal geschafft und bis gestern keine rechte Beachtung von mir erhalten. Das liegt am Tonus des Films, ich mag eigentlich keine ultra-ernsten Thriller und Horror-Filme, das schlägt mir zu sehr aufs Gemüt1. Weil ich ja aber jetzt tatsächlich an meinem Kriminalroman schreibe und mich wenn dann schon von der Creme inspirieren lassen möchte, fand David Fynchers Ausnahme-Thriller um einen Serienkiller, der nach dem Muster der sieben Todsünden mordet, schließlich doch wieder den Weg in den DVD-Player. Als ich Sieben das letzte Mal gesehen habe, war ich bestimmt 10 Jahre jünger und konnte dem Stoff außer seinen Schauwerten nicht viel abgewinnen. Allerdings war mir (leider) der genial-verstörende Schluss in Erinnerung geblieben, sodass die Pointe am Ende nicht mehr ganz so überraschend daher kam.
Die Reise dahin ist aber phänomenal und wahrscheinlich kann ich sie erst jetzt ausreichend würdigen. Regie, Kameraarbeit, Score und vor allem die mitreißende Geschichte machen den Film zu Recht zum vielzitiertem Klassiker2. Was mir aber besonders aufgefallen ist: über die für 1995er-Verhältnisse gewagte Härte der Gewaltszenen werden Gorehounds3 der jüngeren Generation nur müde lächeln. Wäre ein vergleichbarer Film heute entstanden, wäre es sicher chic, das Platzen der Organe des sich zu Tode fressenden Mannes, die wundgelegene Halbleiche oder die Penetration des Freiers einer Hure mit einem Messer-Umschnall-Dildo explizit in all seinen grausigen Details auf die Leinwand zu bannen.
Genau das tut Sieben aber nun nicht. Hier reicht eine verhältnismäßig kurze Einstellung des halbtoten Mannes, der ein Jahr an sein Bett gefesselt worden war, um einen Schockmoment einzuläuten, der Rest spielt sich allein im Kopf des Betrachters ab. Ein Saw würde sich nicht scheuen, den Anwalt, der sich selbst ein Pfund reines Fleisch aus dem Körper schneiden muss, bei seiner Qual zu zeigen, in Sieben erfahren wir davon nur durch ein Gespräch zwischen Morgan Freemans und Brad Pitts Filmfiguren und ein paar nichtssagenden Fotos. Und basteln unsere eigene Foltersequenz dazu in unserer Fantasie. Und ich weiß ja nicht wie das bei Euch so ist, aber meine Fantasie verbringt hier (leider) wahre Höchstleistungen. Die Geschichte ist, wie ich finde, ein schönes Beispiel dafür, dass es eben nicht immer höher-schneller-weiter sein muss, um ordentlich zu unterhalten. Manchmal reicht auch ein bedachter Schritt zurück, um sich unsterblich zu machen.
Erwähnte ich, dass die Gewaltszenen im Kill Bill-Recut alle ungekürzt und in Farbe eingefügt werden sollen? Ach Mist. Irgendwann finde auch ich noch heraus, wie ich mir nicht ständig selbst widerspreche.
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- Ich will von Filmen unterhalten werden. Das schließt Anspruch, Vielschichtigkeit und Gewalt nicht aus, aber am Ende eines Films will ich mich gut fühlen, wenn ich dafür meine Zeit opfere und möchte nicht deprimiert sein. ↩
- Damit nicht der Eindruck entsteht, ich fände alles gut, was als Klassiker gehandelt wird: Ich halte die Pate-Trilogie für gnadenlos überschätzt und todlangweilig, respektive schlecht gealtert, bin der Meinung, dass der Großteil der Coen-Werke Hirnabfall ist und habe jüngst reichlich entnervt das Musical Nine vorzeitig abgebrochen. ↩
- Ein Gorehound ist jemand, der sich an detailierter Gewaltdarstellung in Filmen erfreut. Er ist meist Anhänger des Torture-Porn-Genres, also Filmen, in denen es einzig darum geht, Menschen möglichst grausam zu Tode zu foltern. Typische Vertreter sind die Saw- und Hostel-Reihen. Hier gibt’s noch eine ausführlichere Definition. ↩

Habe Sieben auch im Regal, damals erstanden und gesehen wg. Brad Pitt.
Sollte mal wieder reinschauen auf die Story achten, klingt nicht schlecht.
Wie muss ich mir das jetzt vorstellen? Bist Du damals nur von Brad Pitt-Szene zu Brad Pitt-Szene gehüpft?
Hast du nicht schon mal DVDs geschaut ohne genau aufzupassen? Film Mila Kunis oder Megan Fox beispielsweise?
Die Worte “mit” oder “und” werden überschätzt, daher von mir nicht extra erwähnt.
Ich finde 7 einen tollen Film, nur leider mag ich keine Filme ohne Happy End…..und Der hat definitv KEINES !!!!