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Exmatrikulation

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I ch war heute für meine Begriffe unmenschlich früh in München, um mich von meiner Universität gängeln zu lassen. Auf dem Weg dort hin hatte ich ausreichend Gelegenheit, den Berufsverkehr zu beobachten. In den Blechlawinen, die sich im Kriechtempo von roter Ampel zu roter Ampel schieben, sitzen finster dreinschauende Menschen. Sie glotzen vor sich hin, abwechselnd grimmig, traurig und genervt. Sollte dieses Land irgendwann einmal vor die Hunde gehen, vielleicht lag es dann daran, dass hier scheinbar keiner Bock auf das, wofür er jeden Tag aufsteht, hat. Robert Betz meinte einmal, man solle sein Leben wie einen Film betrachten. Und wer würde sich schon freiwillig etwas ansehen, das davon handelt, wie ein langweiliger, griesgrämiger Kerl sich jeden Morgen aus dem Bett, zur Arbeit, wieder nach Hause, vor den Fernseher und wieder ins Bett quält, dessen einziges Kredo es ist, es bis zum nächsten Wochenende, zum nächsten Urlaub, bis zur Rente zu schaffen? Aufstehen, zur Arbeit gehen, Erwartungen von Chefs erfüllen, heimfahren, ablenken, hinlegen. Nun, ich denke, jeder Rosamunde-Pilcher-Film besäße mehr Drama.
Dabei gäbe es so viel zu sehen, allein nur wenn man an einem Sommermorgen im Münchner Berufsverkehr steht: Allenthalben flanieren langbeinige Gazellen mit schwingenden Hüften vorüber, oder sie pressen ihre wunderbar geformten Gesäße auf ihre Fahrradsättel, unsereiner, der hier noch nicht die typischen Abnutzungserscheinungen derer, die einer Sache täglich ausgesetzt sind, aufweist, kommt da mit dem verwundertem Nachschaun nicht mehr hinterher und jetzt tut mir der Hals weh.

Davon unberührt hätte ich eigentlich allen Grund gehabt, ebenfalls mit grimmiger Miene die Zähne ins Lenkrad zu schlagen. Denn am Wochenende ist mir meine Exmatrikulation ins Haus geflattert. Zunächst dachte ich mir noch nichts dabei, denn das Studium endet ja im Juli, wird schon seine Richtigkeit haben. Etwas unentspannter wurde ich, als ich gestern feststellen musste, dass mein Bibliothekszugang gesperrt worden war. Mitten in der Prüfungsvorbereitung. Grund: Exmatrikulation. Milde verschnupft rief ich also in der für mich zuständigen Studienberatung an, dort erklärte man mir, dass Magisterstudiengänge an der LMU eine Ausnahme darstellen, hier müsse man sich auf für sein Prüfungssemester nochmals rückmelden und die vollen Gebühren in Höhe von 542 € hinterlegen. Meine eigentlich doch nicht unberechtigte Frage, wieso ich für das Ablegen der Prüfung nochmals löhnen muss, wo ich doch keinerlei Veranstaltungen mehr besuche, konnte mir die nette (!) Dame am Telefon auch nicht beantworten, riet mir jedoch, schleunigst in der Uni-eigenen Zahlstelle aufzuschlagen, meine unermessliche Schuld zu begleichen und mit der Quittung und einem halbseitigem Estutmirallessoleid-Schreiben reuevoll in der Studentenkanzlei vorstellig zu werden. Genährt durch allerlei Horror-Geschichten, die einen immer dann im Internet finden, wenn man eigentlich nur deren Gegenteil lesen möchte, machte ich mich also heute morgen ins frühsommerliche München auf. Und oh Wunder, und dies ist wiedereinmal ein Beitrag für die Suchmaschinen dieser Welt, es reicht tatsächlich, den quittiertemn Zahlschein (das Estutmirallessoleid-Schreiben nahm die Dame am Schalter eher überrascht zur Kenntnis) in der Studentenkanzlei, Sachgebiet II, einzureichen, keine 5 Minuten und eine Unterschrift, dass ich die Uni nicht verklage, später, federte ich, 542 € ärmer, dafür mit frischgedruckten Studienpapieren für das Sommersemster 2011, wieder nach draußen. Das Verwaltungsapparat-Beamten-Monster war wieder einmal zufriedengestellt. Was für ein Held ich doch bin.

Die Frage ist nur, wie ich daraus jetzt noch möglichst viel Profit schlage. Mir fallen Werbeplakate für Studentenparties auf, bei denen der Gast unter Vorlage seines Studentenausweises nur die Hälfte für einen Kasten Bier zahlen muss.

Vielleicht sollte ich mal wieder Gazellen jagen gehen.

Mardermolch
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Dieses Weblog ist dem Mardermolch gewidmet, jener oftmals unterschätzten und gerne vernachlässigten Spezies der Satire, des Spaßes, wider der Ignoranz und der Dummheit und allgemein für eine bessere Welt.

4 Comments

  1. Kathrin sagt:

    Bruderherz, wir sind halt doch definitiv aus ein und dem selben Kern… ;-)

  2. agnes sagt:

    Studentenpack. :)

  3. Tine sagt:

    Gleiches Spiel hatte ich auch…und ich durfte mich noch zusätzlich mit der Krankenversicherung rumschlagen ;-)

    • Andi sagt:

      Bei mir geht das Ding mittlerweile in die 2te Runde. Denn mit der Exmatrikulation habe ich natürlich auch die Frist für die Erstattung der Studiengebühren verpasst…

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