Schwitzende Schweizer

Letzter Halt: Erdgeschoss.
5. Dezember 2010
Ballerspielkunst
16. Dezember 2010
 

E s begab sich zu einer Zeit, vor kurzem so, da kam der Andi über verschiedene Zufälle an ein Paar Karten für das Schwammerl-Liga Bayern-Spiel FC Bayern gegen FC Basel. Das gefiel ihm zwar nicht besonders, Fußball war ihm seit jeher suspekt, aber nicht mal eine durchwachte Nacht am Steuer des Porzellan-Busses vor dem großen Tag konnte verhindern, dass er am 8. Dezember die Reise gen München zusammen mit seiner vor Freude zappelnden Schwester angetreten ist. Die Anreise erfolgte über die U-Bahn, zwar wollte der Andi ins Parkhaus fahren, das koste aber 15 Euro, wie die Vorbereitung ergab. So entschieden sich die beiden für die Variante „Parken für 5 Euro an der Uni und Partner-Ticket für den Innenraum für 9,60“, wodurch sie ich sagenhafte 40 Cent sparten, dafür aber gefühlte 2 Kilometer von der U-Bahn-Station zum Stadium latschen durften. Aber Laufen ist gesund, vor allem, wenn der Körper bis oben hin mit Paracetamol angefüllt ist.

Auf dem großen Busparkplatz vor der Allianz-Arena wimmelte es von Polizisten, es sah so aus, also wären für jeden schweizer Fan 2 Schutzmännchen angerückt. Hie und da kniete einer mit hinter dem Kopf verschränkten Armen in Mitten einer Rotte Polizisten, der arme Kerl verpasste bestimmt das Fußball-Spiel. Andi und seine Schwester auch, zumindest den Anstoß, aber das erste Tor bekamen die beiden noch rechtzeitig mit. Für die Bayern war's gefallen, so wie angeblich nicht anders zu erwarten gewesen war. Der Eindruck, wenn man zum ersten Mal die Allianz-Arena betritt, ist auf jeden Fall ein erhabener. Andi staunte nicht schlecht ob der schieren Größe und was es da alles zu entdecken gab. Und obwohl die Plätze der beiden nicht gerade schlecht gewesen waren, waren sie mehr damit beschäftigt, das Treiben UM den Platz zu beobachten als das DARAUF. Da gibt es zum Beispiel Leute, die tragen knallorangene Leibchen mit der Aufschrift 'Steward', die müssen alle 10 Meter am Spielfeldrand mit dem Rücken zum Geschehen stehen und das Publikum beobachten. Warum auch immer, aber das ist wohl einer der dümmsten Jobs, welche sich die beiden in Übereinstimmung überhaupt ausdenken konnten. Dann die Fans. Auch die waren insgesamt mindestens so interessant wie das Spiel an sich. Im Block der beiden saßen die recht gemischt, FC Basel-Anhänger Seite an Seite mit FC Bayern-Fans. Am schönsten waren diejenigen anzusehen, die sich so richtig schön in die Sache hineinsteigern konnten und mit knallrotem Kopf wüst gestikulierend die Spieler beschimpften und ihnen unhörbare Anweisungen zubrüllten, wo diese Knallköpfe ihrer Meinung nach hinzupassen hätten.

Am Seltsamsten in dieser Ansammlung seltsamer Dinge erschien dem Andi aber das Fehlen einer Moderation, erst durch ihre Abwesenheit bemerkte er nämlich, wie sehr er als habseidener Fußball-Interessent auf diese angewiesen war um dem Spielverlauf folgen zu können. Auch die nicht vorhandenen Zeitlupen und Wiederholungen machten ihm zu schaffen, vor allem, weil die Zuschauer vor ihm das unangenehme Verhalten an den Tag legten, sporadisch, meist dann wenn es ihrer Meinung nach interessant wurde, aufzuspringen und ihm die Sicht zu nehmen. Logischerweise auch immer dann, wenn eins der drei Tore gefallen war. Am Ende der eisigen 107 Minuten, als die Bayern-Spieler noch eine Ehrenrunde durchs Stadion drehten und von den eigenen Fans in der Südkurve bejubelt, von den etwas seltsamen Fans der Baseler unsportlich ausgepfiffen und ausgebuht wurden, setzte das Lied FC-Bayern, Stern des Südens ein und Andi und seine Schwester schwappten mit der Welle aus 64.000 anderen Zuschauern zurück in Richtung U-Bahn. Dank der vorbildlichen Organisation und einem Stoßgebet Andis, das irgendwer, wahrscheinlich ein schwer besoffener Fußballgott, der auf dem Stern des Südens durch den Nachthimmel zischte, erhört haben musste, ging das aber fix und glimpflich von statten.

Die Erkenntnis aus der Geschichte: immer muss man sich diese moderne Form des Brots und der Spiele sicher nicht geben, sie einmal gesehen zu haben schadet aber bestimmt nicht. Auch wenn dem Andi Zeitlupen lieber sind.

Mardermolch
Mardermolch
Dieses Weblog ist dem Mardermolch gewidmet, jener oftmals unterschätzten und gerne vernachlässigten Spezies der Satire, des Spaßes, wider der Ignoranz und der Dummheit und allgemein für eine bessere Welt.

2 Comments

  1. angela sagt:

    Jetzt kann der Andi da auch mitreden!

  2. Kathrin sagt:

    Schön wars!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

//]]>