Philosophie

30. November 2016
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Erleuchtet

Aus den Boxen dröhnt das rhythmische Mantra eines Indianer-Gesanges. Es ist brütend heiß im ersten Stock des Yoga Barns in Ubud, obwohl der Raum zu allen Seiten hin offen ist. Doch weder die kühle Brise noch die am Limit kreiselnden Ventilatoren vermögen die Hitze, die von der heißen Sonne über Bali und den etwa 100 Tänzern ausgeht, zu lindern. Ich habe kurz gezögert, als der raunende Sprechgesang eingesetzt hat, doch mein Körper hat schnell einen Rhythmus ausgemacht, in dem ich mich nun grinsend wiege. Immer mehr Leute um mich herum tun es mir gleich, manche stehen nur auf der Stelle und wippen mit dem Kopf, andere hüpfen bereits ekstatisch auf und ab. Es sind vorwiegend Frauen, jeden Alters, die meisten davon jung. Und gutaussehend. Sie tragen knappe Klamotten im Goa-Style, haben Tattoos, Dreadlocks und klirrenden Schmuck an Armen und Fußknöcheln. Eine wunderschöne Inderin, wie frisch aus einem Bollywoodfilm entschlüpft, taucht plötzlich vor mir auf. In Hotpants und durchgeschwitztem, weißen Top, durch das sich ihre Brüste abzeichnen. Sie tanzt wie in Ekstase. Ich fühle mich an die legendäre Tanzszene in Zion aus Matrix Reloaded erinnert. Das Mantra geht allmählich in einen satten Beat über und ich kann mich nicht mehr halten, ich muss auch springen, tanzen, es reisst mich mit, um mich herum schwitzende, halbnackte Leiber, manche davon eng ineinander verschlungen, alle mit einem Lachen oder Grinsen im Gesicht. Ich wünsche mir, dass dieser Moment niemals endet.
24. Mai 2016
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Tête À Tête

In meinem Whiskey-Glas liegen zwei dunkle Specksteine und kühlen das sauteure Getränk ohne es zu verwässern. Der Drink kostet mehr als ein Zwei-Gänge-Menü im Tantris und obwohl meine Kenntnisse in der Whiskey-Verkostung noch nicht bestätigen können, ob das gerechtfertigt ist, genieße ich das Gefühl, wie der scharfe Brand meine Kehle hinabrinnt. Während ich mich an das Geländer lehne und den Blick über das nächtliche München schweifen lasse, schlingen sich plötzlich zwei schlanke Arme von hinten um meine Hüfte.
30. April 2016
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Bahija

Der feuchte Smog verstärkt die bleichen Sonnenstrahlen mit der geballten Kraft Myriaden winzig kleiner Lupen. Ich schwitze, als ich durch die engen und überfüllten Gassen der namenlosen Stadt am Rande der Welt laufe. Fremde Gerüche kitzeln meine Nase, verführerische wie abstoßende, verheißungsvolle und verdorbene. Farbenfroh gekleidete Händler hocken wie dicke Spinnen in ihren kleinen Läden und warten auf unachtsame Kunden. Der Lärm eines Ortes, an dem sich viel zu viele Lebewesen gleichzeitig aufhalten, dröhnt in meinen Ohren und meine Sinne verwirren sich in einem kollektiven Aufseufzer zu einem unauflösbarem Knäul. Verwirrt blicke ich mich um. Wenn die alte Besitzerin des kleinen Hostels am Stadtrand, in das ich mich für ein paar Tage eingemietet habe, richtig liegt, müsste ich eigentlich kurz vor meinem Ziel sein. Mir ist, als hörte ich schon die leise Musik durch das Raunen der Stadt. Das Pochen eines fernen Basses, einem Herzschlag gleich. Jemand hat unzählige bunte Stofffetzen an zwischen den Häuserschluchten gespannten Schnüren aufgehängt. Wie ein zerhackter Regenbogen baumeln sie träge in der schwülen Luft.
1. Dezember 2015
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Früher war mehr Lametta

Wie bewertet man ein Jahr, das mit dem Ende einer Beziehung begonnen hat? Silvester naht und ich frage mich immer wieder, was ich nun von diesem 2015 halten soll. Überschattet die Trennung von einem geliebten Menschen all die schönen Erlebnisse der vergangenen zehn Monate? Oder wäre eventuell sogar Dank angebracht?
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