Erkenntnisse

30. November 2016
indien-s

Erleuchtet

Aus den Boxen dröhnt das rhythmische Mantra eines Indianer-Gesanges. Es ist brütend heiß im ersten Stock des Yoga Barns in Ubud, obwohl der Raum zu allen Seiten hin offen ist. Doch weder die kühle Brise noch die am Limit kreiselnden Ventilatoren vermögen die Hitze, die von der heißen Sonne über Bali und den etwa 100 Tänzern ausgeht, zu lindern. Ich habe kurz gezögert, als der raunende Sprechgesang eingesetzt hat, doch mein Körper hat schnell einen Rhythmus ausgemacht, in dem ich mich nun grinsend wiege. Immer mehr Leute um mich herum tun es mir gleich, manche stehen nur auf der Stelle und wippen mit dem Kopf, andere hüpfen bereits ekstatisch auf und ab. Es sind vorwiegend Frauen, jeden Alters, die meisten davon jung. Und gutaussehend. Sie tragen knappe Klamotten im Goa-Style, haben Tattoos, Dreadlocks und klirrenden Schmuck an Armen und Fußknöcheln. Eine wunderschöne Inderin, wie frisch aus einem Bollywoodfilm entschlüpft, taucht plötzlich vor mir auf. In Hotpants und durchgeschwitztem, weißen Top, durch das sich ihre Brüste abzeichnen. Sie tanzt wie in Ekstase. Ich fühle mich an die legendäre Tanzszene in Zion aus Matrix Reloaded erinnert. Das Mantra geht allmählich in einen satten Beat über und ich kann mich nicht mehr halten, ich muss auch springen, tanzen, es reisst mich mit, um mich herum schwitzende, halbnackte Leiber, manche davon eng ineinander verschlungen, alle mit einem Lachen oder Grinsen im Gesicht. Ich wünsche mir, dass dieser Moment niemals endet.
1. Dezember 2015
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Früher war mehr Lametta

Wie bewertet man ein Jahr, das mit dem Ende einer Beziehung begonnen hat? Silvester naht und ich frage mich immer wieder, was ich nun von diesem 2015 halten soll. Überschattet die Trennung von einem geliebten Menschen all die schönen Erlebnisse der vergangenen zehn Monate? Oder wäre eventuell sogar Dank angebracht?
10. Juni 2015
Brainpolder-Kulturtage-3

Nix los hier.

Bad Feilnbachs Herz schlug nicht nach dem Puls der Zeit. Seinen Venen fehlte eine sauber definierte Gegenwart, und so mäanderte es irgendwo zwischen Vergangenheit und Zukunft dahin, stets unentschlossen, ob nun Fort- oder Rückschritt die bessere Alternative war. Vielleicht lag genau in dieser Ambivalenz Bad Feilnbachs Charme verborgen. Von seinem Standort irgendwo zwischen München und Österreich, zwischen Kur und Gewerbe, Brauchtum und Wellness-Oase lauschte der kleine Ort den verlockenden Reizen der Zukunft, behielt aber vorsichtshalber immer mindestens einen Fuß in der Vergangenheit, deren fester Boden Sicherheit und Ruhe versprach.
3. Dezember 2012
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Christbäume VS. Weihnachtsbäume

Wir haben jetzt einen Christbaum auf dem Balkon. Anstelle der Lichterkette in den mit Tannenzweigen angefüllten Blumenkästen. Warum? Da gibt's zwei Antworten drauf, die eine lautet: der Nostalgie wegen, daheim hatten wir das früher auch immer, so einen Baum auf dem Balkon. Die zweite hat mit vorweihnachtlichen Gefühlen zu tun. Soll's ja auch bei gestand'nen Mannsbildern geben. Mit dem Baum taucht aber eine alte Frage von früher wieder auf. Nämlich die, wie das denn nun mit Brauchtum und Moral in Einklang gebracht werden kann, schon vor Heiligabend einen Christbaum zu haben, auch wenn der nur draußen steht und ausser der Lichterkette keinen Schmuck hat.
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